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AKK musste nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden unzählige Foulspiels ertragen. Nun stürmen die CDU-Jungs den Platz, noch bevor „Kohls Mädchen“ und „ihre Kandidatin“ ihn geräumt haben.

GASTWIRTSCHAFT

„Erfolgreiche Frauen leben gefährlich“

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Das „stärkere Geschlecht“ verliert nicht gern.

Sieger werden gefeiert. Sie bekommen Applaus, Medaillen und jede Menge Aufmerksamkeit. Deshalb wollen alle gewinnen. In der Theorie belebt Wettbewerb das Geschäft. Da strengen sich Verlierer doppelt an, um nächstes Mal besser zu sein. In der Realität aber ist Gewinnen gefährlich, vor allem in der Politik.

Hier gibt es nämlich – anders als auf dem Sportplatz – nur wenig Gelegenheit für eine faire Revanche. Echte Spitzenjobs werden nur alle paar Jahre vergeben; dann ist das Zeitfenster für den eigenen Karrieresprung oft schon wieder geschlossen. Zudem werden einem die Niederlagen ein Leben lang unter die Nase gerieben. Nur selten darf jemand ein zweites Mal als Kandidat ins Rennen.

Deswegen zollen hier die Unterlegenen den Siegreichen fast nie ehrlichen Respekt. Im Tennis werden die Aufschläge, beim Fußball die Schnelligkeit, beim Biathlon die Treffsicherheit des Stärkeren gebührend anerkannt; in der Politik sind die aktuelle Ereignisse, übergeordnete Themen oder die Medien schuld am Misserfolg. Siege haben einen Grund (in mir); Niederlagen finden Ausreden (in allem anderen).

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Claudia Cornelsen, Kommunikationsberaterin.

Besonders schlimm sind Niederlagen von Männern gegen Frauen: Als „starkes Geschlecht“ verliert man nicht. Folge: Die wütenden Verlierer sinnen auf Rache. Erfolgreiche Frauen leben gefährlich.

Annegret Kramp-Karrenbauer musste nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden unzählige Foulspiels ertragen. Es nutzte ihr auch nichts, die unterlegenen Männer „gesichtswahrend“ ins Team aufzunehmen. Damit war die Kränkung der Verlierer nicht ausreichend kompensiert. Statt wie – in Männerzirkeln sonst üblich – parteisoldatische Geschlossenheit zu zeigen, wurde durch unzählige Hinterzimmerattacken fortwährend der Beweis geführt: Sie kann es nicht.

Die Zermürbungstaktik war erfolgreich. Indem sie mediale Handtücher auf die Sonnenplätze legen, stürmen die CDU-Jungs nun den Platz, noch bevor „Kohls Mädchen“ und „ihre Kandidatin“ ihn geräumt haben. Die Frauenwelt steht derweil unter Schock: Besser sein allein reicht offenbar nicht, um die intriganten Machos auf die Hirsch-Plätze zu verweisen. Frauen müssen lernen, Macht nicht nur zu erringen, sondern auch zu sichern. Wie das gelingt, wird Angela Merkel hoffentlich eines Tages verraten. Denn dieser Beweis ist längst erbracht: Sie kann’s!

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