Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch die Erbschaft soll künftig fair besteuert werden.
+
Auch die Erbschaft soll künftig fair besteuert werden.

Erbschaftssteuer

Die nächste Sickergrube

Nach der globalen Mindeststeuer für Unternehmen sollten auch Erbschaften fair besteuert werden.

Ist eine neue Steuer in Sicht, hat das konservative Spektrum üblicherweise den moralischen Vorschlaghammer „Neiddebatte“ parat. Dieses Mal ist es anders. Die Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung, die globale Mindeststeuer gilt als historisch und revolutionär. Fast allen leuchtet ein, dass auch Digitalkonzerne Steuern zahlen sollten, und Steueroasen stehen mittlerweile für ein antiquiertes Zwei-Klassen-Rechtssystem.

Die Steuer hat die Bezeichnung historisch verdient, weil sich 130 Staaten erstmals auf Mindeststeuern geeinigt haben und große umsatz- und gewinnstarke Unternehmen am Ort des Umsatzes besteuert werden sollen. Die verbleibenden EU-Steueroasen – Zypern, Ungarn, Irland, Estland – werden wohl noch weichgeklopft.

Allerdings sollte der Satz von 15 Prozent in Richtung 25 Prozent angehoben werden. Da hohe Schwellenwerte vorgesehen sind, würde die neue Steuer vermutlich nur wenige Unternehmen treffen, vor allem Tech-Konzerne, Pharmaunternehmen und Produzenten von Luxusgütern, nicht aber Bergbaukonzerne, wie Entwicklungsländer kritisieren. Maßgeschneiderte Designermodelle der Boutiquen – eine branchenübliche Bezeichnung für hochspezialisierte Dienstleister für spezielle Probleme inklusive aggressive Steuergestaltung – wird die Reform nicht treffen. Also: Zeit für einen Schnaps vor den Wahlen, aber auf der Baustelle gibt es noch viel zu tun.

Vor allem die Masse karrt die Steuern heran. 2019 gingen 32 Milliarden Euro Körperschaftsteuern ein, 92 Milliarden Einkommensteuern, 243 Milliarden Umsatzsteuern und 220 Milliarden Euro Lohnsteuern. Aber wo sind eigentlich die Erben geblieben? Da findet sich eine weitere Sickergrube gefüllt mit historisch rückwärtsgewandten Vorrechten.

Wer ein Unternehmen erbt und sich nicht ganz dumm anstellt, zahlt darauf überhaupt keine Steuern. Für ein Erbe ab 26 Millionen Euro liegt der Steuersatz mit hohen Freibeträgen bei nur 30 Prozent. Hier werden Erbinnen und Erben neofeudalistisch als geborene Lenker gedacht. Um diese Baustelle macht die Politik noch einen Bogen, als ob es keine Umweltkrise mit Investitionsbedarf und keine Vermögensblase gäbe.

Silke Ötsch ist Postdoc am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen und Vertretungsprofessorin für Soziologie an der Universität Hamburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare