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Energie sollte teurer werden

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Von: Carsten Herrmann-Pillath

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„Eine Energiewende, die nicht auch den Wachstumsdrang bremst, kann unsere ökologische Krise nicht abwenden.“
„Eine Energiewende, die nicht auch den Wachstumsdrang bremst, kann unsere ökologische Krise nicht abwenden.“ © Julian Stratenschulte/dpa

Eine Energiewende, die nicht auch den Wachstumsdrang bremst, kann unsere ökologische Krise nicht abwenden. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Energie muss teurer werden! Und zwar jede Form der Energie. Dieser Ruf ist unzeitgemäß, angesichts der zunehmenden sozialen Belastungen durch steigende Energiepreise. Doch spitzt sich die Lage an der Klima-Front immer weiter zu. Die Idee ist, durch einen Boom der erneuerbaren Energien klimaneutrales Wachstum zu erreichen. Derzeit streichen aber die Ölgiganten fette Gewinne ein, und die Mär ist, diese seien notwendig, um die Energiewende zu finanzieren.

Doch zeigt sich nur, wie stark der Durst nach energiegetriebenem Wachstum ist. Erneuerbare Energien mögen die CO2 Emissionen reduzieren – wie auch die nun als ‚nachhaltig‘ deklarierte Kernkraft. Die Renaissance der Kernkraft scheint unausweichlich, will man das Wachstum weiter aufrechterhalten – und die Wachstumskonkurrenz der Nationen, auch geostrategisch motiviert, ist ungebrochen.

Eine Energiewende, die nicht auch den Wachstumsdrang bremst, kann unsere ökologische Krise nicht abwenden – das war schon klar, als vor 50 Jahren das Buch ‚Die Grenzen des Wachstums‘ erschien. Es ist irreführend, Wachstum durch das Sozialprodukt zu bemessen, denn das erfasst nur, was auf Märkten als wertschöpfend angesehen wird. Wachstum ist zuallererst Wachstum der modernen materiellen Zivilisation, des Konsums, der Infrastruktur, des Transports, heute sogar die Expansion in den Weltraum. Es ist dieses Wachstum, das die Biosphäre der Erde in den Grundfesten erschüttert.

Energie ist der Schlüssel, um diesem menschlichen Krebs der Biosphäre Herr zu werden. Energie ist für alle physikalischen Transformationen in der Wirtschaft unabdingbar und unersetzbar. Durch eine universelle Energiesteuer kann der dringend notwendige Strukturwandel der Wirtschaft erreicht werden. Da auch Kapital produziert wird, ergibt sich die wünschenswerte Folge, dass Anreize für die Substitution von Kapital durch Arbeit geschaffen werden.

Angesichts des demographischen Wandels trägt das langfristig dazu bei, verlorenes Terrain der Arbeit in der Verteilung der Einkommen und vor allem des Vermögens zurückzugewinnen. Eine allgemeine Energiesteuer ist nicht vermeidbar und daher ertragreich. Sie kann helfen, wichtige Projekte der gesellschaftlichen Umgestaltung zu finanzieren, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Der Autor ist Volkswirt und Professor am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt.

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