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Endlich ehrlich sein

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Von: Mechthild Schrooten

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Simple Profitmaximierung ist kein tragfähiges Zukunftsmodell. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Wirtschaftspolitik braucht Zahlen und Daten. Vernünftige Wirtschaftspolitik braucht wissenschaftliche Analysen und Dispute ebenso wie die Evaluierung der Politikergebnisse. In der aktuell hochkomplexen Situation ist mehr als partialanalytisches Modelldenken, wie es die Wirtschaftswissenschaft auszeichnet, gefordert.

Der russische Angriffskrieg hat katastrophale Folgen für die Menschen in der Ukraine. Krieg ist sinnlose Zerstörung. Was nun? Seit Jahren krankt die Kommunikation zwischen Politik und Wissenschaft. Die Gutachten des Sachverständigenrates, der Wirtschaftsweisen, sind umfangreich und werden von der Politik kaum kommentiert. Gegengutachten werden in der Öffentlichkeit kaum aufgegriffen. Gerade hat der Sachverständigenrat eine Analyse des Importstopps russischer Energielieferungen vorgestellt. Die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ist „Von der Pandemie zur Energiekrise – Wirtschaft und Politik im Dauerstress“ getitelt. Gemeinsam ist den Studien, dass ausführlich die Folgen eines Energieembargos gegen Russland diskutiert werden.

Auf kurze oder mittlere Frist scheint ein solches Embargo unabdingbar. Energieimporte lassen sich nicht so leicht substituieren. Es wird in Deutschland zu einer Rezession kommen. Das ist die Zukunft und sie lässt sich nicht mit „Abwarten“ oder „Weiter so“ gestalten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Deutschland vor komplexen Anpassungsprozessen steht – das wird Transformation genannt und gern anderen zugemutet.

Es sind große Probleme, die gelöst werden müssen. Der Kriegsschock sitzt tief. Da ist es notwendig, dass endlich Ehrlichkeit einzieht. Wir haben eine sich verstetigende Inflation – zuletzt von 7,3 Prozent. Die Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung werden nach unten korrigiert. Wahrscheinlicher als eine Stagflation ist die Kombination aus Inflation und Rezession. Das zieht Armutsrisiken für große Teile der Bevölkerung nach sich. In einer solchen Situation, verursacht durch Krieg und pandemiebedingt zusammenbrechende Lieferketten, muss sich die gesellschaftliche Zielfunktion ändern. Menschen brauchen Sicherheit und Frieden. Simple Profitmaximierung ist kein tragfähiges Zukunftsmodell.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

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