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Von: Wiebke Johanning

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Tragen Bomben und Panzer tatsächlich zur sozialen Entwicklung und Achtung der Menschenrechte bei? Man muss keine Pazifistin sein, um das zu bezweifeln.
Tragen Bomben und Panzer tatsächlich zur sozialen Entwicklung und Achtung der Menschenrechte bei? Man muss keine Pazifistin sein, um das zu bezweifeln. © Julian Stratenschulte/dpa

Atom und Gas hat die EU schon als nachhaltige Geldanlagen qualifiziert. Jetzt will die Rüstungsindustrie ähnliches bei der geplanten Sozial-Taxonomie erreichen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die Welt steht Kopf, auch beim Thema Geldanlage. Gerade erst hat das EU-Parlament entschieden, Investitionen in Gas und Atom als klimafreundlich zu deklarieren. Nun drängt die Rüstungslobby darauf, dass die Europäische Union in ihrer geplanten Sozial-Taxonomie auch ihre Branche als nachhaltig einstuft.

Tragen Bomben und Panzer tatsächlich zur sozialen Entwicklung und Achtung der Menschenrechte bei? Man muss keine Pazifistin sein, um das zu bezweifeln. Auch wer aktuell Waffenlieferungen an die Ukraine gutheißt, sollte nicht in die Rüstungsbranche investieren. Denn viele Firmen produzieren Waffen, die völkerrechtlichen Verboten unterliegen, wie zum Beispiel Streumunition, Anti-Personen-Minen und Atomwaffensysteme. Und fast alle Rüstungsunternehmen liefern an autokratische Länder und in Konfliktregionen, in denen Menschenrechte verletzt werden.

Auch Gas und Atom werden durch den Kopfstand der EU nicht grüner. Frisches Geld sollte in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in Technologien für die Wärmewende fließen und nicht in lebensbedrohliche und klimazerstörende Energieformen, die uns abhängig halten vom Uran- und Gaslieferanten Russland.

Es ist bitter, dass die EU ihre eigene Taxonomie verwässert und damit als Orientierung für Anlegerinnen und Anleger unbrauchbar gemacht hat. Schuld daran sind Frankreich, das seine maroden Atommeiler retten, und Deutschland, das seine Gaskraftwerke am Laufen halten will. Bei der Atom- und Gaslobby dürften die Champagnerkorken knallen angesichts des erfolgreichen Greenwashings. Die fehlende Orientierung ist umso fataler, weil ab August Finanzdienstleister:innen die Nachhaltigkeitswünsche der Kundinnen und Kunden abfragen müssen.

Was heißt das nun für alle, die ihr Geld verantwortungsvoll anlegen wollen? Sie sollten Kurs halten und sich unabhängig informieren. Helfen können dabei Portale wie „Faire Fonds“, „Geld bewegt“ oder das Magazin Ecoreporter. Doch wir sind nicht nur als Anleger:innen, sondern auch als engagierte Bürger:innen gefragt. Um das Comeback von Atom, Gas, Kohle und Rüstung zu stoppen, braucht es lautstarken Protest. Organisationen wie .ausgestrahlt, urgewald, Facing Finance, Ende Gelände und viele andere laden ein zum Mitmachen. Empören wir uns! Für eine zukunftsfähige Welt!

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Bewegungsstiftung.

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