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Die starke Kernfamilie wird zur Notwendigkeit, um die Stabilität des Wirtschaftssystems nicht zu gefährden.

Gastwirtschaft

Die AfD und der Neoliberalismus: Wie eine Traumhochzeit der „deutschen“ Kernfamilie

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Mit dem Neoliberalismus und der „deutschen“ Kernfamilie haben sich zwei, ganz unerwartet, gefunden. Das spiegelt auch das Programm der AfD wider. Die Gastwirtschaft.

Das Wahlprogramm der AfD liest sich auf den ersten Blick sehr widersprüchlich. So befürwortet es einerseits Wirtschaftsliberalismus, andererseits wirbt es aber mit einer rechtskonservativen Familienpolitik. Beide Positionen sind tatsächlich nur konsistent, wie sich auf dem zweiten Blick offenbart.

Neoliberale Wirtschaftspolitik befürwortet einen schlanken Staat mit Abbau von Sozialleistungen und einen „freien“ Markt. Die Familienpolitik der AfD „bekennt sich [...] zum klassischen Leitbild der Familie“ und „lehnt [...] die Stigmatisierung traditioneller Geschlechterrollen ab“. Mit anderen Worten, es wird klar das Alleinverdienermodell befürwortet.

Der Neoliberalismus braucht die funktionierende Familie

Tatsächlich ist das neoliberale Wirtschaftsmodell auf eine funktionierende Familie angewiesen. Ist das soziale Auffangnetz abgebaut, sind Familien wirtschaftlichen Schwankungen viel stärker ausgesetzt. In dieser Situation muss sich der Verdiener flexibel an die Marktlage anpassen können, währenddessen die (Haus-)Frau sich vollständig um Sorgearbeit daheim zu kümmern hat, um ihm den Rücken freizuhalten.

Die starke Kernfamilie wird zur Notwendigkeit, um die Stabilität des Wirtschaftssystems nicht zu gefährden. Diese Idee ist keinesfalls neu und wurde schon von Kritikerinnen wie Melinda Cooper in „Family Values“ beschrieben und von Neoliberalen wie Gary Becker erkannt.

Ein Familienmodell, das Geschlechtergerechtigkeit ausschließt

Diese Auffassung ist von verschiedenen Standpunkten aus problematisch. Einerseits gibt dieses Familienmodell keinerlei Freiheit, sich seiner geschlechtlichen Identität bewusst zu werden, und Geschlechtergerechtigkeit in Bezug auf (Re-)Produktionsarbeit wird ausgeschlossen. Andererseits sorgt das neoliberale Wirtschaftssystem für finanzielle Unsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnissen.

Markus Krecik.

Mit dem Neoliberalismus und der „deutschen“ Familie haben sich zwei, ganz unerwartet, gefunden. Das familienpolitische Programm der AfD ist äußerst gut geeignet, das neoliberale System aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund fürchtet die AfD, dass alle Familienkonzepte außerhalb der Norm diese ökonomischen Verhältnisse destabilisieren.

Und so offenbart sich erst in der Verbindung beider, wie die AfD auf verschiedenen Ebenen versucht, nicht nur den Sozialstaat, sondern auch eine antirassistische und geschlechtergerechte Gesellschaft zu untergraben.

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