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Eine Info macht noch keine Nachricht

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Von: Mona Schnell

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Klar, Kommunikation ist alles. Aber nicht alles, was Firmen als interne Neuigkeit bewerten, sollte auch an die Presse kommuniziert werden.
Klar, Kommunikation ist alles. Aber nicht alles, was Firmen als interne Neuigkeit bewerten, sollte auch an die Presse kommuniziert werden. © Annette Riedl

Viele Führungskräfte haben noch nicht verstanden, dass gute Pressearbeit Kommunikation ohne Schaumschlägerei braucht. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Kommunikation mit der Öffentlichkeit scheint für viele auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln zu bleiben. In meinem Postfach und den Inboxen zahlreicher Kolleg:innen landen Pressemitteilungen mit Inhalten wie: „Ich habe einen Speaker-Slam gewonnen, bitte interviewen Sie mich.“ Oder: „Nächsten Monat fängt ein neuer Abteilungsleiter bei uns an.“ Diese Info soll ich als „Freie“ doch bitte in einer großen, überregionalen Tageszeitung platzieren. Dabei lockt das noch nicht einmal die Verwandtschaft der Absender hinterm Ofen hervor.

Täglich muss ich mit ansehen, wie wenig Expert:innen und Führungskräfte in Unternehmen darüber nachdenken, wie viel Mehrwert für Mediennutzer eine Pressemeldung enthält. Selbst wenn auf eine interne Kommunikationsabteilung oder eine PR-Agentur als Unterstützung zurückgegriffen wird, ignorieren die meisten die Grundregel: Eine Info macht noch lange keine News. Da drängt sich die Frage auf: Hören Unternehmer:innen nicht auf Leute, die wissen, wie PR funktioniert? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass viele Kommunikationsprofis als reine Dienstleister sehen, anstatt sie als Sparringspartner zu nutzen, die ihnen zeigen, wie eine Botschaft über Qualität statt Quantität punktet.

Dabei liegt es doch im Interesse aller, die ihren (Firmen)namen in den Medien sehen, hören oder lesen wollen, dass er mit echtem Mehrwert in Verbindung gebracht wird. Besonders Einzelunternehmer:innen und Firmen, die ihre Kommunikation rund um eine zentrale Figur aufbauen, sollten ihr Augenmerk auf das legen, was sie nach außen tragen. Sonst verbrennen sie ihre Glaubwürdigkeit und ihren Status schneller als sie ein Streichholz anzünden können.

Wir brauchen in der PR eine Kommunikation auf Augenhöhe und Botschaften, die mehr liefern als konstruierte Schaumschlägerei. Man denke nur an die verpasste Chance bei der Übernahme des Gewürz-Start-ups Ankerkraut durch Nestlé. Wie erfrischend wäre statt der hohlen Phrasen vom „perfekten Fit für beide Seiten“ ein Statement gewesen wie „Ja, wir haben unsere Seele verkauft. Aber wir brauchen Nestlé als Partner, weil…. Von jetzt an werden wir alles geben, um die Werte von Ankerkraut in die Welt von Nestlé zu tragen.“ Solche Botschaften sorgen für Kredibilität, erzeugen Interesse und sind mit ein wenig Erfahrung wirklich kein Hexenwerk.

Die Autorin schreibt Bücher und

Texte für Expertinnen und

Künstler und verlegt Sachbücher

im Montagshappen-Verlag.

Mehr Informationen finden Sie unter www.fr-online.de

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