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Studierendeg haben oft finanzielle Schwierigkeiten.

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Eine Bude fürs Studium

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Warum das Bafög dringend reformiert werden muss.

Altersarmut, Kinderarmut, Armut von Alleinerziehenden. So lauten die Stichworte, unter denen über prekäre Verhältnisse debattiert wird. Andere Bevölkerungsgruppen geraten so leicht aus dem Blick. So ist die Altersgruppe mit der mit Abstand höchsten Armutsquote die der 18- bis unter 25-Jährigen – diskutiert wird darüber jedoch nicht. Es gibt nicht einmal einen Begriff, der Jungeerwachsensenarmut oder so ähnlich heißt.

Eine große Gruppe junger Erwachsener, die im Allgemeinen nicht mit Armut in Verbindung gebracht wird, sind die Studierenden. Nach der neuesten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes, für die mehr als 55 000 Datensätze ausgewertet wurden, gaben 19 Prozent der Befragten an, zurzeit der Befragung finanzielle Schwierigkeiten zu haben. 14 Prozent der Studierenden hatten Einkünfte von maximal 600 Euro im Monat, weitere 14 Prozent mussten mit 600 bis 700 Euro monatlich auskommen.

Ein Grund für die prekäre Lage vieler Studierender ist die unzureichende Absicherung durch das Bafög. Insbesondere der für die Warmmiete vorgesehene Betrag von 250 Euro pro Monat ist in den allermeisten Unistädten viel zu niedrig, um ein Studentenzimmer mieten zu können. Selbst Zimmer in Studentenwohnheimen sind oft teurer.

Der unabhängig vom Studienort geltende Pauschalbetrag für die Miete ist ein echter Fremdkörper im System der sozialen Sicherung. Die Höhe von Hartz IV, der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, des Wohngeldes und des Kinderzuschlags hängen (auch) vom Wohnort ab. Nur die Höhe des Bafög, das für Studierende die Funktion der Grundsicherung hat, nicht. Obwohl ein Zimmer in Hamburg oder München wesentlich teurer ist als in Bochum oder in Greifswald. Das ist eigentlich kein Geheimnis. Dass der Bafög-Höchstsatz dennoch landauf landab gleich hoch ist, ist eine der vielen Merkwürdigkeiten des deutschen Sozialrechts. Diese gehört wie all die anderen Merkwürdigkeiten dringend reformiert, am besten im Rahmen eines sozialrechtlichen Gesamtkonzepts, wie es inzwischen zumindest hin und wieder auch aus dem politischen Raum – siehe den jüngsten diskussionswürdigen Vorschlag des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck für ein neues Garantiesystem – gefordert wird.

Der Autor ist Experte für Sozialrecht. Zuletzt erschien von ihm in der Ratgeberreihe Informationsoffensive die 4. Auflage seines Hartz-IV-Ratgebers.

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