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GASTWIRTSCHAFT

Eine Abgabe, die wehtut

  • Verena Bentele
    vonVerena Bentele
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Unternehmen, die keine Behinderten beschäftigen, sollen mehr zahlen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt treffen Menschen mit Behinderung besonders hart. Sie verlieren wesentlich häufiger ihre Arbeit als noch vor der Krise. Ein Grund mehr, Unternehmer und Unternehmerinnen stärker zur Kasse zu bitten, die sich aus der Verantwortung stehlen. Der VdK begrüßt es sehr, dass die Ausgleichsabgabe verdoppelt werden soll.

„Für Null-Beschäftiger habe ich null Verständnis.“ Dies so deutlich aus dem Mund eines Bundesarbeitsministers zu hören, zeigt, dass sich die hartnäckige Überzeugungsarbeit des Sozialverbands VdK lohnt. Eigentlich müssen Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeiter:innen mindestens fünf Prozent Menschen mit einer Behinderung einstellen. Wer keinen einzigen beschäftigt, soll ab Januar 2022 kräftig zur Kasse gebeten werden: mit einer doppelt so hohen Ausgleichsabgabe wie bisher. Nicht zufällig hat Hubertus Heil dies bei einer Veranstaltung des Deutschen Behindertenrats verkündet, dessen Vorsitz der VdK 2020 führte.

Eines kann ich versprechen: Bei der Durchsetzung dieses Vorhabens wird der VdK Heil den Rücken stärken. Wir begrüßen, dass die Zeit windelweicher Appelle an die Unternehmen für mehr Inklusion vorbei ist. Rund 43 000 Arbeitgeber:innen können es sich bisher offenbar bequem leisten, keinen einzigen schwerbehinderten Menschen zu beschäftigen. Sie stehlen sich aus der Verantwortung und kaufen sich frei. Diesen Betrieben wird eine Verdoppelung der Ausgleichsabgabe sicher wehtun. Monatlich können das bis zu 720 Euro pro unbesetztem Pflichtarbeitsplatz sein.

Im Oktober 2020 waren 173 709 schwerbehinderte Menschen ohne Arbeit. Das sind 13 Prozent mehr als im Oktober 2019. Würden die bisherigen Null-Beschäftiger je ein bis zwei Menschen mit Behinderung einstellen, könnte deren Zahl unter 100 000 sinken.

Provokativ möchte ich sagen: Menschen mit Behinderung sind in deutschen Betrieben ebenso rar wie Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft. Menschen mit Behinderung stoßen in der Arbeitswelt auf unsichtbare Barrieren, Frauen auf ihrem Weg nach oben an gläserne Decken. Sachliche Argumente für beide Ausgrenzungen gibt es nicht: Weder aufstiegswilligen Frauen noch einstiegswilligen Menschen mit Behinderung mangelt es an Motivation oder Qualifikation. Verwehrt wird ihnen oft, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Die Autorin ist Präsidentin des

Sozialverbands VDK.

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