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Ein hoher Preis

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Von: Andreas Bangemann

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Die EZB hat eine Zinserhöhung bislang nur angedeutet. Unser Gastautor hofft, dass es dabei bleibt.
Die EZB hat eine Zinserhöhung bislang nur angedeutet. Unser Gastautor hofft, dass es dabei bleibt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Steigende Arbeitslosigkeit und erhebliche Zinslasten für Firmen und öffentliche Haushalte wären die Folge eines Kurswechsels in der Geldpolitik der EZB. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Alles deutet darauf hin, dass die Europäische Zentralbank dem Druck nachgeben und im Sommer die Zinsen erhöhen wird. Durch Ausbremsen des Konsums sollen das Wirtschaftswachstum verlangsamt und die Inflation gesenkt werden. Triebkraft der aktuellen Preissteigerungen sind die Energiepreise. Der Krieg in der Ukraine und der in China wegen der Coronakrise stockende Lieferfluss notwendiger Produkte sind eindeutig auszumachende Ursachen für die relativ hohe Inflation in Europa.

Der Preis für den Kurswechsel in der Zinspolitik werden steigende Arbeitslosigkeit sein und erhebliche zunehmende Zinslasten für Firmen und öffentliche Haushalte. Öl, Gas und Strom werden trotzdem weiterhin teurer, kein einziges Schiff vor Schanghai wird rascher be- oder entladen werden.

Dieser Zinsschritt würde gesamtwirtschaftliche Schäden verursachen. Warum sollten Preise sinken, wenn man einen Kostenfaktor erhöht? Es gibt keine Guthaben ohne Schulden in gleicher Höhe. Erstere sind sehr ungleich verteilt. Zinsen bezahlen alle, denn sie verstecken sich in Steuern und Preisen. Unternehmen werden gezwungen sein, weitere Preiserhöhungen durchzusetzen. Staaten werden „Gürtel enger schnallen müssen“.

Die EZB hat sich bei ihrer expansiven Geldpolitik der vergangenen Jahre nicht von den Experten beirren lassen, die sie mit Kritik überschütteten. Die niedrigste Arbeitslosigkeit in Europa seit eh und je ist nur ein Erfolg dieser Sturheit. Hochverschuldete Staaten gelangten zu ausgeglichenen Haushalten, weil die Zinslast nicht mehr drückte. Unternehmen gewannen finanzielle Spielräume durch geringere Zinskosten.

Es wird sich als schwerer Fehler erweisen, diese Erfolge der fragwürdigen Eindämmung einer Inflation zu opfern, die auf eine Verkettung von nicht vorhersehbaren Ereignissen zurückzuführen ist. Durch die steigenden Zinsen wird keine Wohnungsmiete günstiger, von den Nebenkosten ganz zu schweigen. Energieaufwändig erzeugte Lebensmittel werden preislich unbeeindruckt bleiben, wie auch die technischen Produkte aus Fernost, ohne die ein Leben im 21. Jahrhundert unvorstellbar erscheint. Die Inflation würde mit Beendigung der sie auslösenden Krisen automatisch zurückgehen. Da bedarf es keiner Zinserhöhung, mit der man mehr Probleme erzeugt als löst.

Noch hat die EZB den Schritt nur angedeutet. Ich hoffe, dass es dabei bleibt.

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