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Bäume  müssen dem Sojaanbau weichen.
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Bäume müssen dem Sojaanbau weichen.

Klimaschutz

Doppelte Verantwortung

  • Roman Herre
    VonRoman Herre
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Wir sind nicht nur zentrale Importeure von Agrarprodukten, für die Wälder in Südamerika zerstört werden, wir finanzieren auch die Expansion dieser Art von Landwirtschaft. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Urwälder sind unbestritten zentral für den Klimaschutz. Zu Recht wird immer wieder auf unseren Konsum als Treiber von Waldzerstörung verwiesen. Neben Palmöl steht besonders der Urwaldfresser Soja im Blick der Öffentlichkeit. Die Anbauflächen von Soja – fast ausschließlich industriell und genetisch verändert angebaut – sind in den letzten 60 Jahren um 100 Millionen Hektar angestiegen. Parallel dazu wuchsen die Sojaexporte nach Europa, vor allem als Tierfutter.

Aber diese Perspektive reicht nicht. Europa ist außerhalb Südamerikas auch der größte Investor in die brasilianische Soja- und Rindfleisch-Industrie. Von insgesamt 100 Milliarden US-Dollar Investitionen in die dortige Soja- und Rindfleisch-Produktion stammen 15 Prozent aus Europa. Damit sind wir eben nicht nur zentrale Importeure der Agrarprodukte sondern zentraler Bestandteil von Produktion und Expansion selbst!

Das unterstreichen viele konkrete Fälle der Fian-Arbeit. So finanziert die deutsche Entwicklungsbank DEG die Soja- und Rindfleisch-Industrie in Südamerika mit vielen Millionen US-Dollar. Dies geschieht unter anderem über die Agrarbank LAAD mit Sitz auf Curacao, an der sie zusammen mit dem Bayer-Konzern beteiligt ist. Oder die Ärztepensionskasse für Westfalen-Lippe: Sie hat 100 Millionen US-Dollar in einen Fonds investiert, der Land für riesige Monokulturen in Brasilien aufkauft.

Diese Zusammenhänge unterstreichen zwei zentrale Punkte: Erstens greift die vorherrschende Debatte mit Fokus auf unseren Konsum deutlich zu kurz. Wir tragen eine doppelte Verantwortung! Zweitens kann man dieses Problems aus Verbraucher:innen-Sicht nur mit Gesetzen und effektiver Kontrollen der mächtigen Investoren Herr werden.

Ohnehin ist es nicht hinnehmbar, dem einzelnen Verbraucher die Entscheidung zuzuschieben, ob Menschenrechte verletzt oder Wald in gewaltigem Ausmaß abgeholzt wird. Brechen wir es einmal runter: Das Problem wird so skurril verschoben auf ein Auskämpfen zwischen dem armen Hartz-IV-Empfänger hier an der Ladentheke und der bedrohten Indigenengemeinde dort im Wald. Die reichen Profiteure hier wie dort sind wie von Zauberhand außen vor. Der Dominikaner Lacordaire erklärte jedoch zurecht: „Zwischen dem Reichen und dem Armen ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“

Der Autor ist Experte für Landwirtschaft und Agrarhandel des Food First Informations- und Aktions-Netzwerks (Fian).

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