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Es stimmt zwar, dass der Dollar immer noch die härteste aller Währungen ist.

Gastwirtschaft

Dominanz des Dollar brechen

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Die Finanzarchitektur der Gegenwart nutzt keinem. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Anne Löscher vom Netzwerk Plurale Ökonomik.

Immer wieder ruft die internationale Dominanz des Dollar als globale Leitwährung kritische Stimmen auf den Plan. Den USA wird vorgeworfen, sich auf Kosten anderer beliebig verschulden zu können. Diese Analyse greift jedoch zu kurz.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Anne Löscher vom Netzwerk Plurale Ökonomik.

Es stimmt zwar, dass der Dollar immer noch die härteste aller Währungen ist. Er ist die Währung des internationalen Güterhandels und die meisten Schuldtitel sind in Dollar fakturiert. Weil er von den meisten Handelspartnern akzeptiert wird, ist er mit einem Vertrauen ausgestattet, das keine andere Währung genießt. Dieses Vertrauen wiederum verstärkt ihn in seiner Funktion als globale Leitwährung.

Damit haben die USA das Privileg, per Verschuldung theoretisch unendlich importieren zu können. Tatsächlich muss das Land das auch, schließlich hängt von ihm die internationale Versorgung mit Liquidität in Dollar ab. Das gereicht ihm aber auch zum Nachteil, da dieser Kapitalexport mit einer Aufwertung einhergeht. Die Folge ist der massive Bedeutungsverlust der Exportindustrien von verarbeiteten Gütern der letzten Jahrzehnte, durch den massenhaft Arbeitsplätze verloren gingen. Ein Ergebnis ist der Rust-Belt Amerikas, der deindustrialisiert von Drogenabhängigkeit und Abwanderung gekennzeichnet ist. Vor diesem Hintergrund ist der Wahlsieg von Donald Trump zu verstehen, der durch seine America-first-Politik eine Renationalisierung der industriellen Produktion herbeizuführen versprach – und damit eine Wende weg vom Import.

Geht die USA jedoch ihrer Rolle als globaler Nachfrager-of-last-resort in Krisenzeiten nicht nach, fehlt es in der Weltwirtschaft an der nötigen Dollar-Liquidität. Besonders hart betroffen von einer Dollarknappheit sind Entwicklungsländer, die oft mit wechselhaften Finanzströmen konfrontiert sind und sich über Devisenreserven gegen Wechselkursschwankungen absichern müssen.

Um die Probleme, die mit einer internationalen Leitwährung verbunden sind zu lösen, haben Ernst Friedrich Schuhmacher und John M. Keynes Ende der 1940er die Einführung einer globalen Weltwährung vorgeschlagen, über die unabhängig von nationaler Geld- und Nachfragepolitik internationale Transaktionen abgewickelt werden können. Mit den Special Drawing Rights, der ‚Währung‘ des IMF und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gibt es schon zwei Institutionen, die diesen Reformvorschlag umsetzen könnten.

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