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Ein höherer Anteil der Lockdown-betroffenen Sektoren an der Gesamtwirtschaft und dann noch ein hoher Anteil von prekären Arbeitsverhältnissen.
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Ein höherer Anteil der Lockdown-betroffenen Sektoren an der Gesamtwirtschaft und dann noch ein hoher Anteil von prekären Arbeitsverhältnissen.

Europäischer Arbeitsmarkt

Die Welle nach der Welle

  • Carsten Brzeski
    vonCarsten Brzeski
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Droht den südeuropäischen Ländern ein neuer Braindrain?

Im vergangenen Sommer herrschte so etwas wie Hochstimmung in Europa. Wie im Flugzeug bei einer Notlandung ging es zwar nach dem Prinzip „erst selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen und dann dem Sitznachbarn helfen“, aber letztendlich zeigte sich viel europäische Solidarität. Solidarität, die im Europäischen Aufbaufonds mündete. Finanzmärkte und viele Beobachterinnen und Beobachter jubelten: Wieder einmal zeigte sich, dass Europa in Krisen stärker wird. Der wirkliche Test für europäische Solidarität kommt allerdings noch.

Um das Impfthema soll es in dieser Kolumne gar nicht gehen. Da werden die nächsten Monate zeigen, ob die schlechte Figur, die Europa hier gemacht hat, nachhaltig in Wahlergebnissen reflektiert wird oder nicht. Es geht vielmehr darum, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu weiterer sozial-ökonomischer Divergenz führen werden.

Bisher hat die Pandemie relative wenig Spuren auf den Arbeitsmärkten Europas hinterlassen. Das scheinen jedenfalls die wenig gestiegenen Arbeitslosenzahlen zu belegen. Wenn man allerdings Beschäftigungsentwicklungen und gearbeitete Stunden betrachtet, sieht das Bild anders aus. Hier gab es in Südeuropa viel schärfere Einbrüche als in Nordeuropa. Das hat natürlich damit zu tun, dass die am schwersten von den Lockdown Maßnahmen betroffenen Sektoren in Südeuropa ein größeres Gewicht an der Gesamtwirtschaft haben als in Nordeuropa.

Die Situation wird allerdings noch brenzliger, da der Anteil von Zeitbeschäftigten und Selbstständigen mit rund 40 Prozent in Südeuropa in den Sektoren Gastronomie und Tourismus deutlich höher ist als in Nordeuropa – in Deutschland liegt dieser Anteil bei etwa 20 Prozent.

Ein höherer Anteil der Lockdown-betroffenen Sektoren an der Gesamtwirtschaft und dann noch ein hoher Anteil von prekären Arbeitsverhältnissen. Das ist ein Rezept für eine erneute Nord-Süd-Spaltung und ein deutliches Zeichen, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist. Die mögliche Ungleichheit, die vom Arbeitsmarkt ausgehen könnte, wird auch nicht vom Aufbaufonds auszugleichen sein. Zukunftsorientierte Investitionen sind gut, helfen dem Arbeitsmarkt aber kurzfristig nicht. Schon nach Finanz- und Eurokrise gab es einen Braindrain in vielen südeuropäischen Ländern. Noch so eine Welle, keine zehn Jahre später, wären katastrophal.

Der Autor ist Chefvolkswirt der

Bank ING in Frankfurt.

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