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Die Stunde der G20

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Von: Axel Berger

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Die aktuellen globalen Herausforderungen sind ohne die Schwellenländer nicht zu lösen.

Die Politik ist im Reaktionsmodus. Eine Krise folgt auf die nächste. Die globale Finanzkrise brachte vor fast 15 Jahren das Weltfinanzsystem an den Punkt der Kernschmelze, die Bankenrettungspakete und Austeritätspolitiken bereiteten den Nährboden für Populisten wie Trump oder Johnson. Die Corona-Pandemie legte vieles lahm und traf besonders Entwicklungsländer hart. Diese Länder sind es, die auch durch Russlands Krieg gegen die Ukraine schwer gebeutelt sind. Ihre Schuldenstände wachsen in die Höhe, die Teller armer Bevölkerungsschichten bleiben leer.

Eigentlich müsste das die Stunde der G20 sein, des selbsterklärten globalen Krisenforums. Die G20, deren Staats- und Regierungschef:innen sich Ende November im indonesischen Bali für ihren jährlichen Gipfel treffen, sind aber so zerstritten wir nie. Das völkerrechtsbrechende Russland ist Teil der G20 und auch sein Verbündeter China. Auf der anderen Seite stehen die G7-Länder, wie auch Südkorea oder Australien, die Russlands Machenschaften mit Härte sanktionieren. In der Mitte lavieren Schwellenländer, die sich als neutral erklären. Sie sehen in Russlands Krieg eine regionale Auseinandersetzung und werden nicht müde, mit einigem Recht, „dem Westen“ seine Doppelstandards vorzuhalten.

Es sind diese großen Schwellenländer, die die G20 in den nächsten Jahren führen werden: Indonesien in diesem Jahr, Indien im nächsten, Brasilien in 2024 und Südafrika in 2025. Diese „Versüdlichung“ der G20 birgt Chancen. Die Schwellenländer müssen globale Verantwortung übernehmen und können nicht nur ins nationale Horn blasen. Die Belange der Entwicklungsländer könnten stärker auf die Agenda kommen.

Andererseits besteht die Gefahr einer Abkopplung der G7-Länder und einer sich verstetigenden Spaltung der G20. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, muss die G7 Brücken in Richtung der Schwellenländer bauen. Die Einladung der oft unbequemen Führer Senegals, Argentiniens, Indiens, Südafrikas oder Indonesiens zum G7-Gipfel in Elmau im Juni war ein wichtiges Zeichen. Konsequent wäre es für Kanzler Olaf Scholz, diese Politik fortzusetzen und persönlich nach Bali zu reisen, nicht trotz Putins möglicher Anwesenheit, sondern als Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Schwellenländern, ohne die die globalen Herausforderungen nicht zu lösen sind.

Der Autor ist stellvertretender

Direktor am German Institute

of Development and

Sustainability (IDOS) in Bonn.

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