Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Viele neue Wörter sind im Zuge der Pandemie entstanden, um diese widerzuspiegeln (Symbolfoto).
+
Viele neue Wörter sind im Zuge der Pandemie entstanden, um diese widerzuspiegeln (Symbolfoto).

Pandemie-Folgen

Die Sprache ist der Spiegel

  • vonNicole Truchsess
    schließen

Welchen Worten wollen Sie Kraft verleihen? Die Gastwirtschaft.

Sprachforscher sammeln rund 1000 neue Wörter rund um Corona“ titelte vor einigen Tagen die Schlagzeile auf einer Kulturplattform. Nach Durchsicht der neuesten Errungenschaften des deutschen Wortschatzes wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, wie Sprache immer die Gesellschaft beschreibt beziehungsweise den aktuellen Status widerspiegelt.

Hierbei stellen sich gleich mehrere Fragen: Was wird bleiben? Was machen solche Begriffe, wie Superspreaderereignis, Reichsbürger und Wellenbrecherlockdown, aus unserer Gesellschaft? Welchen Worten wollen Sie Kraft verleihen?

Aus Sicht vieler Sprachwissenschaftler war 2020 aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen ein besonderes Jahr und deren Wellen strahlen auch weiterhin ins Jahr 2021 aus. Nur wird hier, wie auch in anderen Bereichen, nicht nur etwas offensichtlich, was sich schon die Jahre davor angebahnt hat? Eine Form der Radikalisierung unseres Sprachgebrauches und zeitgleich die zunehmende Tendenz und der damit verbundene Wunsch, komplexe Sachverhalte auf das einfachste Niveau herunter zu brechen.

Sicher ist es generell erstrebenswert, dass moderne und neue Begriffe komplizierte Sachverhalte vereinfachen. Kritisch wird es jedoch dann, wenn die Tiefe und somit die Bedeutung eines wichtigen Themas dabei verloren geht, somit vermehrt Denkfehler auftreten und eine falsche Haltung entsteht. Passende Beispiele findet man unter anderem in der vermeintlich professionellen Coaching- oder Speakerszene und dem Trend, einen Menschen, in vier Farben oder auch in vier Tiere aufzuteilen. Da der Mensch ein komplexes Wesen, individuell und unverwechselbar ist, wird durch diese Vorgehensweise eine Potenzialentfaltung verhindert und Schubladendenken gefördert. Oder was ist aus dem einstig positiv besetzten Wort „Querdenker“ nur geworden?

Passend dazu wurde „Lost“ als Jugendwort 2020 von Jugendlichen mit 48 Prozent der Stimmen per Online-Voting gewählt. Übersetzt ist damit jemand gemeint, der ahnungslos, unsicher oder unentschlossen ist.

Ich persönlich finde, es wird Zeit, dass wir uns 2021 dem Wort Fasten zuwenden. Auf welchen Begriff möchten Sie künftig gerne bewusst verzichten?

Die Autorin ist Unternehmerin, Personalexpertin und Buchautorin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Mehr Bewerber!“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare