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Beim Thema Rente ist nicht nur der Anteil alter Menschen von Bedeutung. Denn auch Kinderbetreuung und Schulbildung kosten Geld.
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Beim Thema Rente ist nicht nur der Anteil alter Menschen von Bedeutung. Denn auch Kinderbetreuung und Schulbildung kosten Geld.

Rentendebatte

Die Rente ist bezahlbar

  • Martin Staiger
    VonMartin Staiger
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Erwerbstätige tragen in Wirklichkeit keine größere Last als früher. Denn es gibt auch weniger junge Menschen, für die sie sorgen müssen. Die Gastwirtschaft.

„Rentenversicherung in Zeitreihen“ heißt ein mit Zahlen vollgestopftes Buch, das die Deutsche Rentenversicherung Bund jedes Jahr Ende Oktober herausgibt. Wollen wir einmal Seite 288 aufschlagen. In der letzten Spalte der mit „Bevölkerungsstruktur“ überschriebenen Seite springt sie ins Auge: Die Überalterung der Bevölkerung. Der Altersquotient, definiert als das Verhältnis der ab 65-Jährigen zu der Gruppe der 20- bis 64-Jährigen betrug 1950 in den alten Bundesländern 15,7, zwanzig Jahre später 23,4 und letztes Jahr gesamtdeutsch betrachtet 36,9. Kein Wunder, dass die Rente kaum mehr bezahlbar ist.

Schaut man die Tabelle genauer an, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Aus den Zahlen lässt sich nämlich auch der Jugendquotient, das ist der Anteil der unter Zwanzigjährigen an der Gruppe der 20- bis 64-Jährigen, errechnen. Er lag 1950 bei 50,8, 1970 betrug er 52,1 und letztes Jahr 30,9.

Da es volkswirtschaftlich betrachtet unerheblich ist, ob die Erwerbstätigen für alte oder für junge Menschen aufkommen müssen – man denke nur an die enormen Summen, die für Kinderbetreuung, Schulbildung oder den Verbrauch von Nahrungsmitteln und Duschgels für 16-jährige Jungs ausgegeben werden müssen – ist schließlich die Summe aus Alters- und Jugendquotient von Interesse. Sie betrug vor siebzig Jahren 66,5, zwanzig Jahre später 75,5 und letztes Jahr 67,8. 2020 mussten die Erwerbstätigen also in etwa den gleichen Anteil an nicht Erwerbsfähigen mit versorgen wie 1950 und einen deutlich geringeren Anteil als 1970 – bei einem real deutlich größer gewordenen Bruttoinlandsprodukt. Das ist eigentlich kein Problem, sondern eine Verteilungsfrage.

Wenn man aber wie die FDP Steuern und Abgaben grundsätzlich als möglichst zu senkende „Last“ begreift und wie SPD und Grünen dieses Mantra als Preis für eine Ampelkoalition mitträgt, wird sich diese Verteilungsfrage nicht lösen lassen. Und es wird weiter ein Nebeneinander von Menschen mit Spitzeneinkommen, überdimensionierten Immobilien und mehreren hochmotorisierten Autos auf der einen und vielen alten Menschen auf der anderen Seite geben, die mit winzigen Renten in kalten kleinen Wohnungen leben und kaum Geld haben, um sich ab und zu eine Busfahrkarte leisten zu können.

Der Autor ist Experte für Sozialrecht. Zuletzt erschien von ihm in der Ratgeberreihe Informationsoffensive die 4. Auflage seines Hartz-IV-Ratgebers.

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