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Die Märkte sind pervertiert

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Von: Heinz-Josef Bontrup

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Warum dulden wir die Ausbeutung in Unternehmen? Wir sollten endlich damit aufhören.

In der Ökonomie gilt das wirtschaftliche Rationalprinzip. Wer dagegen verstößt, schädigt nicht nur sich selbst, sondern auch die ganze Gesellschaft. Wirtschaftlichkeit ist immer anständig. Hier gilt, systemunabhängig, bei geringstmöglichem Einsatz an Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Umwelt) einen vorgegebenen Güterertrag zu erwirtschaften (Minimalprinzip) oder, dass bei einem gegebenen Aufwand an Produktionsfaktoren der größtmögliche Güterertrag zu erzielen ist (Maximalprinzip).

Beide Prinzipien sorgen für Produktivitätssteigerungen. Ohne sie gibt es keine gesellschaftliche Entwicklung, das verstehen erstaunlich viele Menschen nicht. Eine rein technische Produktivität hat hier aber keine praktische Bedeutung, da sie ohne eine preisliche Bewertung der eingesetzten Produktionsfaktoren zu Fehlallokationen führt. Extrem sehen wir das bei der Umwelt, die bis heute nicht mit Knappheitspreisen versehen wird und es in Folge zu gesellschaftlich maximalen Schäden kommt.

Preise bilden sich am Markt, der vielfältigen Pervertierungen unterliegt. Die größte ist hier wohl der Machtmissbrauch. Marktteilnehmer:innen wissen, wer die größte Macht hat, der bestimmt den Preis und kann alle anderen ausbeuten. Das gilt auf Güter-, Dienstleistungs-, Geld- und Finanzmärkten, für alle Märkte, auch für Wohnungsmärkte.

Besonders extrem findet dabei Ausbeutung auf den kapitalistischen Arbeitsmärkten statt. Hier steht die Ausbeutung systemimmanent schon fest, bevor es realiter überhaupt zu einer Nachfrage und einem Arbeitsvertrag zwischen einem Unternehmer und abhängig Beschäftigten kommt. Letzterer erhält nie den vollen Wert seiner Arbeit, sondern lediglich den Wert seiner Arbeitskraft. Wäre es anderes, gäbe es keinen Profit, Zins und keine Grundrente.

Wenn der Preis und der Lohn demnach für alles in der Wirtschaft so wichtig ist und potenziell immer die Gefahr von Inflation (Preissteigerungen) besteht, wie gerade die hohe Inflationsrate zeigt, wieso überlassen wir dann die Preisbildung den machtpervertierten Märkten und warum dulden wir die Ausbeutung auf Arbeitsmärkten und in den Unternehmen? Wir sollten damit endlich aufhören. Sonst wird das nichts mit den ständigen Forderungen nach einer gerechten Welt. Sie hängt am Preis und Lohn für Arbeit.

Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler und emeritierter Professor.

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