Corona-Pandemie

Corona macht die Börse glücklich - wie das Kapital die Krise für seine Zwecke nutzt

  • Mechthild Schrooten
    vonMechthild Schrooten
    schließen

Mit jeder Welle an Entlassungen steigt die Chance auf Kursgewinne an der Börse. Das gilt vor allem in der Corona-Krise - und sollte ein Warnsignal für alle sein.

  • Corona in Deutschland: Die Machtverhältnisse werden verschoben.
  • Die Wirtschaft ist wegen Corona eingebrochen.
  • Die Börse zeigt bereits Erholungserscheinungen.

Frankfurt - Das Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal 2020 um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Bereits im ersten Quartal war es mit minus zwei Prozent deutlich rückläufig. Eine kräftige Rezession – eine, wie sie nicht im Lehrbuch steht. Also lassen sich auch keine schemenhaften Antworten finden. Die einzelnen Menschen sind bislang sehr unterschiedlich vom gesamtwirtschaftlichen Einbruch betroffen. Einige stehen seit Monaten ohne ihr Business da. Doch es gibt offenbar auch andere. Besonders gut durch die Krise scheinen übrigens viele Dax-Unternehmen zu kommen. Die Börse zeigt schon wieder beachtliche Erholungserscheinungen.

Hintergrund ist keineswegs eine kräftige realwirtschaftliche Erholung. Vielmehr ist es die Erwartung, dass jetzt gerade die großen Konzerne effizienz- und wettbewerbssteigernde Maßnahmen ergreifen. Der Kapitalseite ist es möglich, Restrukturierungen und Entlassungen als Covid-19-bedingte Maßnahmen zu verkaufen. Kommunikation ist heute alles.

Die Wall Street in New York. Werden Arbeitsplätze abgebaut, steigen an der Börse die Kurse.

Corona in Deutschland: Wertsteigerung für das Kapital?

Ich lade Sie ein: Beobachten sie die Börsenkurse. Mit jeder angekündigten Entlassungswelle steigt die Wahrscheinlichkeit auf Kursgewinne. Für das anlagesuchende Kapital bedeutet dies eine Wertsteigerung. Vermögende werden reicher. Für die Mehrzahl in Deutschland bedeutet es etwas ganz anderes. Massenarbeitslosigkeit meldet sich zurück.

Nicht nur die Generation Z wird sich umorientieren müssen. Gerade noch heiß begehrte Talente werden sich zukünftig auf einen deutlich restriktiveren Arbeitsmarkt treffen, auf dem das Kapitaleigentum regiert. Viel zu lange wurde der Raubbau an Mensch und Ressourcen naiv marktwirtschaftlich begründet – dahin darf es kein einfaches Zurück geben. Fest steht: Auch diese Krise ist keine kapitalistische Systemkrise. Diese Krise lässt sich nicht auf der einzelwirtschaftlichen Ebene bewältigen. Das gilt auch für die Kapitalseite, die dies längst für sich erkannt hat.

Corona in Deutschland: Die Krise verschiebt die Machtverhältnisse

Die vereinfachenden Grundideen der blinden Marktgläubigkeit kommen an Grenzen, wo als Gesamtsystem reagiert werden muss. Ein zukunftsfähiges Gesamtsystem kann sich kostenlose Schadstoffemissionen und einen chronisch unterfinanzierten Staat nicht leisten. Die sozial-ökologische Transformation des Gesamtsystems ist keine Utopie, sondern das Gebot der Stunde. Die Ideen sind da, es geht ums Handeln. Von Mechthild Schrooten Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen. Corona und Emanzipation: Einschränkungen gefährden Errungenschaften der Gleichberechtigung

Rubriklistenbild: © JOHANNES EISELE

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare