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Konzertierte Aktion: Die Kosten des Reichtums

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Von: Mechthild Schrooten

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Die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future dürften sich den Forderungen unserer Autorin anschließen.
Die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future dürften sich den Forderungen unserer Autorin anschließen. © Monika Skolimowska/dpa

Die aktuellen Krisen haben das Potenzial diese Gesellschaft zu destabilisieren. Wir müssen zurück zur sozialen Marktwirtschaft

Die Nachrichten der vergangenen Wochen lassen aufhorchen. Schlüsselbegriffe sind: hohe Inflation, marode Infrastruktur, kurzsichtige Energiepolitik, ausgelaugte Schulen, steigende Armutsrisiken, beschleunigter Klimawandel. Die Liste könnte weiter fortgesetzt werden. Krisen sind seit Jahren Normalität. Jetzt kommen noch die Herausforderungen aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine dazu.

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland größer als in anderen Industrieländern

Deutschland ist schlecht aufgestellt für eine aktive und konstruktive Zukunftsgestaltung. Was ist übrig geblieben von der sozialen Marktwirtschaft? In dem Land, das im internationalen Vergleich als wohlhabend, ja reich gilt, leben mehr als 16 Prozent der Menschen in Armut – erklärt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Das ist nicht zukunftsfähig. Etwa 20 Prozent aller Beschäftigten arbeitet dauerhaft, ja inzwischen schon generationenübergreifend zu Niedriglöhnen. Diese Menschen leisten viel, meist unter prekären Bedingungen, oft ohne Tarifbindung. Die Aufstiegschancen sind gering. Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland viel größer als in anderen Industrieländern – so das DIW Berlin.

Die Anhebung des Mindestlohns reicht nicht

Armut ist Realität im reichen Deutschland. Jahrelang wurde weggeguckt. Das muss sich dringend ändern. Auch wenn der Mindestlohn demnächst auf zwölf Euro steigt, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn inzwischen ächzen viele Menschen unter der Inflation, die auch von hemmungslosen Gewinnmitnahmen großer – und manch kleiner – Unternehmen befeuert wird.

Die Autorin

Mechthild Schrooten ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

Einmalzahlungen an Beschäftigte und kurzfristige Entlastungen lösen nicht das verteilungspolitische Kernproblem. Reichtum in den Händen weniger verursacht dieser Gesellschaft erhebliche Kosten. Vermögensfragen sind Machtfragen. Um wenigstens ein bisschen so etwas wie eine Chancengleichheit herzustellen: Wie wäre es mit einem Mindest-erbe für alle? Die aktuellen Krisen haben das Potenzial diese Gesellschaft zu destabilisieren. Es bedarf in der Tat einer konzertierten Aktion. Ziel muss ein Zurück zur sozialen Marktwirtschaft sein. Das Verteilungsproblem gehört in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte. Denn Zukunft geht nur gemeinsam, das haben wir in der Pandemie gelernt. Wahrscheinlich wird es – nicht nur klimapolitisch – ein heißer Herbst. (Mechthild Schrooten)

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