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Coronavirus - Italien
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Ein Arbeiter in Schutzanzug sprüht Desinfektionsmittel auf dem Platz vor dem Mailänder Dom.

Europa nach der Pandemie

Die Kluft wird größer

  • Carsten Brzeski
    vonCarsten Brzeski
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Die EU-Staaten des Nordens kommen besser durch die Krise als die des Südens. Es ist weitere finanzielle Solidarität gefragt. Die Kolumne „Gastwirtschaft“. 

Es fehlt nicht viel und David Hasselhoff erscheint in einer beliebigen deutschen Innenstadt, um „I have been looking for freedom“ zu singen und das Ende der Lockdowns musikalisch einzuläuten. Die Stimmung steigt, die Konjunktur nimmt endlich wieder Fahrt auf, wird jetzt alles gut?

Für die deutsche Konjunktur sieht es gut aus. Die Auftragsbücher der Industrie sind gefüllt und die Produktionserwartungen sind auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Wären da nicht die Lieferengpässe bei Halbleitern und Mikrochips und der Optimismus würde wohl gar keine Grenzen kennen. Wenn jetzt noch Tourismus, Dienstleister und Gastgewerbe wieder öffnen, steht einem heißen Wirtschaftssommer nichts mehr im Weg.

Die Post-Lockdown-Wirtschaftsparty wird es in allen europäischen Ländern geben. Allerdings könnte der Kater im Süden schneller kommen als im Norden. Denn die vielleicht größte Gefahr kommt vom Ende der Staatshilfen und einer möglichen Insolvenzwelle. Während die Staaten im Norden, inklusive Deutschland, wirtschaftlich schon wieder auf dem Vorkrisenniveau sein werden, wenn Staatshilfen in der zweiten Jahreshälfte zurückgezogen werden oder auslaufen, können Eurostaaten aus dem Süden davon nur träumen. Länder wie Spanien, Griechenland, Portugal oder Italien werden erst 2023 das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Durch die Tatsache, dass der Unternehmenssektor in diesen Länder durch die Krise viel stärkere Einkommensverluste hat hinnehmen müssen als zum Beispiel in Deutschland, ist auch die Gefahr einer Insolvenzwelle viel größer.

Die Schere zwischen Norden und Süden droht in der Eurozone weiter auseinanderzugehen. Es fing an mit der unterschiedlichen Tiefe des wirtschaftlichen Einbruchs, ging weiter zu unterschiedlich starkem Regierungseingreifen und setzt sich jetzt fort beim industriegetragenen Aufschwung und Insolvenzwellen oder -tsunamis.

Diese bleibende und wachsende Divergenz gilt es so schnell wie möglich zu beheben. Das geht nicht nur über Strukturreformen, denn die Eurozone wäre kein besserer Wirtschaftsraum wenn alle 19 Mitgliedsstaaten Autos produzieren würden. Weitere europäische (finanzielle) Solidarität wird nicht zu verhindern sein. Ansonsten ist die Post-Corona-Party schnell wieder vorbei und David Hasselhoff singt alleine über „the freedom money buys“.

Der Autor ist Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

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