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Einer der einflussreichsten Kritiker: Ökonom William Nordhaus.
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Einer der einflussreichsten Kritiker: Ökonom William Nordhaus.

Gastwirtschaft

Die Ignoranz der Ökonomen

Viele Wissenschaftler leben offenbar auf einem anderen Planeten. Sie vernachlässigen den Faktor Umwelt weiterhin in vielen Modellberechnungen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Über Jahrzehnte missachtete die Ökonomik Erkenntnisse aus anderen Disziplinen. Im Jahre 1972 schrieben Naturwissenschaftler im Auftrag des Club of Rome das Buch „Grenzen des Wachstums“, in dem sie die Menschheit vor den potenziell desaströsen Konsequenzen von unkontrolliertem Wachstum warnten und für „tiefgreifende, zukunftsorientierte gesellschaftliche Neuerungen durch technische, kulturelle und institutionelle Veränderungen“ plädierten. Das Buch hatte einen enormen Erfolg - doch nicht bei Ökonomen.

Einer der einflussreichsten Kritiker der Studie war der Ökonom William Nordhaus. Seine Herangehensweise machte überdeutlich, dass er das Buch nicht ansatzweise verstehen wollte. Das vorgestellte Modell, welches in zahlreichen Variablen die vielschichtigen Abhängigkeiten von Ökosystemen und Ressourcennutzung auszudrücken versuchte, übersetzte er in die stark vereinfachte Weltformel der Ökonomen, die sich hauptsächlich auf Arbeit und Kapital beschränkt. Grenzen des Wachstums waren auch in diesem Modell vorhanden, aber durch die Ergänzung des abstrakten Faktors „technologischer Fortschritt“ war andauerndes exponentielles Wachstum möglich.

In den 70er-Jahren waren die Auswirkungen von Umweltschäden noch vergleichsweise gering und es wurde einfach angenommen, dass sich dies auch in Zukunft nicht stark verändern würde. Dennoch widmete sich Nordhaus in den kommenden Jahrzehnten der Klimaökonomik. Ein Abgleich der Wirtschaftsaktivität und der Durchschnittstemperaturen zwischen den Staaten New York und Kalifornien führte ihn zu zuversichtlichen Ergebnissen: Eine globale Erwärmung um sechs Grad bis 2100 würde zwar unser Wachstum leicht schwächen, aber ungebremster Raubbau würde die globale Wirtschaftsaktivität trotzdem noch versechsfachen.

Neue Studien bestätigen regelmäßig, dass die Realität mit dem berechneten Standardszenario des Club of Rome weiterhin weitgehend übereinstimmt. Der Systemökologe Charles Hall bemerkt: „Ich bin mir keines ökonomischen Modells bewusst, welches über eine so lange Zeitspanne so genau ist.“ Doch die Ökonomen forschen scheinbar weiterhin auf einem anderen Planeten: William Nordhaus erhielt 2018 den „Wirtschaftsnobelpreis“.

Gordon Schücker ist Mathematiker und Mitglied bei Economists for Future, einem Netzwerk für einen zukunftsorientierten Austausch über Wirtschaft.

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