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Die formalen Hürden bei der Jagd nach Talenten

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Von: Marcel Schütz

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Die Personalauswahl ist zuweilen eine schwierige Sache (Symbolbild).
Die Personalauswahl ist zuweilen eine schwierige Sache (Symbolbild). © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Warum eine zu große Standardisierung bei der Personalauswahl problematisch ist. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Die Personalauswahl ist zuweilen eine schwierige Sache. Denn unbekannte Personen müssen mit bekannten Verfahren bewertet werden. Die Bewerber:innen können Eigenschaften aufweisen, die in der Stellenanzeige nicht vorkommen und sowohl negative wie positive Eindrücke verstärken.

Mit jeder neuen Besetzung wird angenommen, dass die Kandidat:innen auf ihrer bisherigen Stelle ihr Können bewiesen haben. Zwei Hindernisse sind typisch: Zum einen sagt das vergangene Bewähren nicht direkt etwas über künftige Ergebnisse. Inwiefern alte Erfolge übertroffen werden, weiß man nicht. Zum anderen kommt es vor, dass Personen nur vermeintlich als ungeeignet gelten und buchstäblich auf der Stelle treten. Sie erscheinen für alle Posten deplatziert, da sie nur bei größeren Spielräumen ihr Potenzial ausschöpfen können.

Zu beobachten ist eine Standardisierung der Personalauswahl. Hierarchische Strukturen können die persönliche Leistungsentfaltung hemmen. Die Beurteilungswege sind mehrdimensional und führen nicht zu eindeutigen Entscheidungen. Die Bewerber:innen zeigen in unterschiedlichen Dimensionen ungleiche Stärken. Es ist eine Mär, unter vergleichbaren Kandidaten den „Besten“ zu finden. Die Annahme, jemand erfülle voll und ganz ein Profil, ist zunächst eine Prognose. Doch die späteren Bedingungen sind selten abzusehen. Ein Lösungsversuch besteht darin, vorab Anforderungen mit Prozenten zu gewichten. Das führt zur Verlagerung, aber nicht Beseitigung zur Problematik: Es werden Personen ausgewählt, die nach persönlichen Eindrücken der Entscheider womöglich gar nicht infrage kämen.

Maßnahmen dieser Art mögen helfen, Streit um Posten zu reduzieren. Sie signalisieren Objektivität und hemmen Zweifel an der Entscheidung. Doch mehr Formalisierung führt nicht automatisch zur besten Auswahl. Mit mehr formaler Restriktion können nützliche Abweichungen verhindert werden. Immer kompliziertere Assessment-Center, Testverfahren und gar nicht unmanipulative Interviewtechniken erscheinen manchmal daher fragwürdig. Im Übrigen ist Standardisierung die größte Hürde aller Seiteneinsteiger und Umweggeher. Und damit vielleicht für die Organisationen selbst.

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