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Die falsche Frage

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Von: Rolf D. Häßler

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Nicht einfach, für die eigene Geldanlage den Durchblick zu bekommen.
Nicht einfach, für die eigene Geldanlage den Durchblick zu bekommen. © Imago

Die gesetzlichen Regelungen, die für Beratungen zu nachhaltigen Kapitalanlagen gelten, verwirren mehr als sie helfen. Es muss eine Vereinfachung her. Die Kolumne Gastwirtschaft.

Hand aufs Herz: Wenn Sie gefragt würden, ob Sie bei der Anlage Ihres Vermögens Arbeitsrechte und den Klimaschutz beachten wollen – würden Sie Nein sagen? Wahrscheinlich nicht, und wahrscheinlich gilt dies auch für den weit überwiegenden Anteil der Anleger:innen in Deutschland. Und wenn man Ihnen dann erklärt, dass man beispielsweise in einem Fonds alle Unternehmen von der Kapitalanlage ausschließt, die gegen anerkannte Arbeitsrechte verstoßen oder keine ambitionierte Klimastrategie haben, könnte man gut nachvollziehen, wie diese Vorgaben erreicht werden.

Wie kann es also sein, dass auf die seit August vergangenen Jahres verpflichtend zu stellenden Frage, ob man nachhaltig investieren will, nur ein Bruchteil der Anleger:innen mit „Ja“ antwortet? Zwar gibt es noch keine offiziellen marktweiten Zahlen, es ist aber ein offenes Geheimnis, dass nur zwischen zehn und 20 Prozent der Anleger:innen nachhaltig anlegen wollen.

Einen bedeutenden Anteil an dieser Fehlentwicklung hat der Gesetzgeber. Denn anstatt eine einfache Frage, wie sie eingangs formuliert wurde, stellen zu können, müssen die Berater:innen in Banken und bei Vermögensverwaltern ihre Kund:innen fragen, ob diese bei der Kapitalanlage eher die EU-Taxonomie nachhaltiger wirtschaftlicher Tätigkeiten oder die Principal Adverse Impacts berücksichtigen wollen. Das überfordert beide – die Berater:innen, die beispielsweise erläutern müssen, warum es die Atomkraft in die Taxonomie geschafft hat, und die Anleger:innen, die sich mit regulatorischen Details beschäftigen müssen, die selbst die Kapitalmarktprofis kaum verstehen.

Zudem hat das hü und hott des Gesetzgebers zu einer deutlichen Verunsicherung der Anleger:innen geführt, da der Eindruck entsteht, dass die nachhaltige Kapitalanlage ihrem eigenen Anspruch, eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu befördern, nicht gerecht wird. Dieser Eindruck findet seinen Ausdruck im Schlagwort „Greenwashing“, das inzwischen nach dem Motto „Bringt ja eh nichts“ zu einem Pauschalargument für die Ablehnung der nachhaltigen Kapitalanlage geworden ist.

Wenn wirklich Kapital in nachhaltige Anlagen fließen soll – und mit diesem Ziel ist der Gesetzgeber ja mal gestartet –, müssen die Regeln für die Beratung einfacher und verständlicher werden, denn hier entscheidet sich, wie die Anleger:innen ihr Geld investieren.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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