Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hinter dem schicken Design des „Apfels“ verbirgt sich eine knallharte Geschäftspolitik.
+
Hinter dem schicken Design des „Apfels“ verbirgt sich eine knallharte Geschäftspolitik.

Apple

Design und Schein

  • Wolfgang Kessler
    vonWolfgang Kessler
    schließen

Indische Beschäftigte haben die Einrichtung eines iPhone-Werkes demoliert. Es sind nicht die ersten sozialen Verwerfungen im Umfeld des Digitalriesen.

Originelle Produkte mit einem schicken Design sind das Markenzeichen des US-Konzerns Apple. Wer jedoch glaubt, das Unternehmen verdanke seine hohen Gewinne und sein Börsenvolumen von mehr als 2000 Milliarden US-Dollar alleine seinem hippen Auftritt, sollte einen Blick in das iPhone-Werk im indischen Karnataka werfen.

Dort demolierten Arbeiter:innen die Einrichtung und protestierten gegen die Ausbeutung in dem Apple-Zulieferer-Betrieb. An Zwölfstundenschichten und unbezahlte Überstunden hatten sich die Beschäftigten schon gewöhnt. Als der iPhone-Hersteller jedoch die Löhne der Ingenieur:innen auf umgerechnet 134 Euro pro Monat und die der Arbeiter:innen auf 90 Euro pro Monat halbierte, gingen die Arbeiter auf die Barrikaden. Der zuständige Arbeitsminister will die Vorwürfe untersuchen, ließ aber erst einmal mehr als hundert Beschäftigte verhaften.

Es sind nicht die ersten sozialen Verwerfungen in Umfeld des Digitalriesen. Vor wenigen Jahren gingen die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn durch die Medien. Es gab dort Kinderarbeit. Zahlreiche Beschäftigte nahmen sich das Leben, weil sie die Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen konnten.

Nun kann man der Konzernleitung in Kalifornien nicht jeden Missstand in einem weit entfernten Zuliefererbetrieb direkt anlasten. Andererseits verbirgt sich hinter dem schicken Design des „Apfels“ eine knallharte Geschäftspolitik: Die Konzernleitung drückt rigoros die Kosten in Ländern des Südens, wenn es die eigenen Gewinne steigert. Und ebenso rigoros spielt Apple die Finanzminister unterschiedlicher Länder gegeneinander aus, um möglichst wenig Steuern zu entrichten.

Was sagt uns das? Zum einen, dass die Regierungen endlich eine Mindeststeuer für multinationale Konzerne und Lieferkettengesetze durchsetzen sollten, um die Firmen zur Einhaltung der Menschenrechte in ihren Fabriken zu zwingen. Zum anderen, dass sich die Konzernführung von Apple Fragen an ihr Selbstverständnis gefallen lassen muss. In einer Welt der Klimakrise und der sozialen Ausbeutung verkommt ein hippes Design leicht zum schönen Schein. Erst wenn Apple seine Geräte unter fairen Bedingungen und ökologischen Richtlinien herstellt, würde sich das Unternehmen wirklich von anderen Konzernen abheben – und wäre gleichzeitig auch noch zukunftsfähig.

Der Autor ist Wirtschaftspublizist. Er schrieb das Buch „Die Kunst den Kapitalismus zu verändern“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare