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Der wahre Wert

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Von: Ruth Polleit Riechert

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Besucher:innen der Art Cologne gehen durch eine Halle der Kunstmesse. Die Art Cologne, die am 21. November zu Ende ging, ist die größte deutsche ihrer Art.
Besucher:innen der Art Cologne gehen durch eine Halle der Kunstmesse. Die Art Cologne, die am 21. November zu Ende ging, ist die größte deutsche ihrer Art. © Rolf Vennenbernd/dpa

Was beim Kauf von Kunst zu beachten ist.

Wenn die Tage trübe werden, laden wieder viele Kunstmessen zum Besuch ein: Nicht nur die großen wie die Art Cologne, die Fiac in Paris und demnächst die Art Basel in Miami, sondern auch kleinere wie die Affordable Art Fair.

Interessierte sollten die Gelegenheit unbedingt nutzen und sich so viel Kunst anschauen wie möglich. Denn es „trainiert“ das Auge: Hochkarätige Messen bieten viele Werke auf engstem Raum in Museumsqualität, die danach wieder im Privatbesitz verschwinden.

Wichtig zu wissen ist aber auch, wie es hinter den Kulissen zugeht: Händler müssen auf den Messen viel verkaufen, denn die Standgebühren sind hoch. Gleichzeitig gibt es viele Sammler, die bestimmte, teure Stücke ergattern wollen. Galeristen weisen diese Kunden meist schon vor Eröffnung auf Werke hin, die nur auf der Messe angeboten werden.

Und so geht der Wettlauf los: Wer bekommt das gute Stück? Dabei geht es nicht um faire Preise, sondern eher um einen „Sport“ für Ultrareiche. Viele amerikanische Sammler gehen allerdings nicht selbst auf Messen, sondern schicken ihre Kunstberater los, damit diese vor Ort Preise prüfen und verhandeln.

Das alles passiert wohlbemerkt schon vor der offiziellen Eröffnung der Messe. An diesen Tagen werden bei großen Galerien 80 Prozent des Umsatzes gemacht. Wer also plant, auf einer Messe Kunst zu erwerben, sollte wissen, dass die besten Werke oft schon nach der Vor-Vorbesichtigung verkauft sind.

Dennoch gibt es viel zu entdecken. Aber Vorsicht: Wenn keine Preisschilder zu sehen sind und man sich mit dem Marktwert nicht auskennt – dann: Hände weg!

Nicht ohne Grund werden viele Werke inzwischen im Internet erstanden. In der aktuellen „Survey of Global Collecting in 2022“ geben 95 Prozent der befragten Sammler an, Kunst online gekauft zu haben, ohne sie vorher persönlich zu besichtigen.

Warum? Weil hier die Preise ausgewiesen sind – anders als auf Messen, die in diesem Punkt noch von den Online-Anbietern lernen können. Darum mein Tipp: Wenn ein Exponat gefällt, erst über den wahren Wert informieren – und dann am letzten Messetag einen guten Preis aushandeln.

Die Autorin ist promovierte

Kunsthistorikerin und Kunst-

arktexpertin. Ihr aktuelles Buch: „Kunst kaufen“ (Springer).

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