Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

 Ein Herzschlag dauert eine Sekunde.  Auf diesen inneren Takt zu hören ist in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen Arbeitsmoral und Leistungsfähigkeit einen höheren Stellenwert als Gesundheit und Reproduktion haben, nicht allen gleichermaßen möglich. 
+
 Ein Herzschlag dauert eine Sekunde. Auf diesen inneren Takt zu hören ist in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen Arbeitsmoral und Leistungsfähigkeit einen höheren Stellenwert als Gesundheit und Reproduktion haben, nicht allen gleichermaßen möglich. 

Wohlstand und Wohlbefinden

Der Takt des Herzens

Zeit zum Regenerieren kann sich nur leisten, wer weich fällt und wem die Existenzangst nicht dauerhaft im Nacken sitzt. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Elena Goschin. 

In den Nachrichten wird häufig von der Wirtschaft gesprochen. Die Wirtschaft schrumpft, die Wirtschaft erholt sich, der Wirtschaft geht es gut. Als würden sich in diesem Begriff alle (Re-)Produktions- und Konsumweisen, die menschliche Bedürfnisse befriedigen, einfangen lassen. Meist ist damit einfach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemeint, das den monetären Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen erfasst.

Das BIP gilt immer noch als wichtigster Indikator für den Wohlstand eines Landes und wird oft sogar mit Gemeinwohl gleichgesetzt. Eine Aussage über das Wohlergehen der Bevölkerung kann das BIP jedoch schwerlich treffen, da es weder die Ungleichheit im jeweiligen Land bemisst noch die Grundlage, auf der Leben überhaupt möglich ist. Gängige sprachliche Ausdrücke wie das BIP pro Kopf erzeugen die Vorstellung, dass der materielle und monetäre Reichtum des Landes auf die gesamte Bevölkerung ebenmäßig verteilt würde.

Dies verschleiert die Unterschiede in Einkommen und Vermögen, die auch in den wohlhabendsten Ländern immer größer werden. Vergessen wird auch, dass es bei Wirtschaft immer auch um Verteilung und Reproduktion geht – Fragen, die weitestgehend als unwirtschaftlich abgetan werden.

Um überhaupt wirtschaften zu können, brauchen wir jedoch Zeit zur Erholung und (Selbst-)Fürsorge. Das vorherrschende Wirtschaftsverständnis vergisst die Körper, die hinter allen wirtschaftlichen Prozessen stehen und uns den Takt des Lebens bereits vorgeben. Ein Herzschlag dauert eine Sekunde, wobei in einem Drittel der Zeit das Herz kontrahiert und in zwei Dritteln der Zeit die Entspannungsphase stattfindet.

Auf diesen inneren Takt zu hören ist in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen Arbeitsmoral und Leistungsfähigkeit einen höheren Stellenwert als Gesundheit und Reproduktion haben, nicht allen gleichermaßen möglich. Denn unser Wohlbefinden spiegelt sich zwar direkt in unseren Körpern, aber indirekt auf unserem Kontostand wider.

Zeit zum Regenerieren kann sich nur leisten, wer weich fällt und wem die Existenzangst nicht dauerhaft im Nacken sitzt. Wenn unter Wirtschaft also Indikatoren gemeint werden, die menschliche Bedürfnisse missachten, anstatt ihnen Befriedigung zu verschaffen, ist es höchste Zeit, diesen Begriff anders zu besetzen.

Die Autorin ist Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare