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Der Geist der Globalisierung ist aus der Flasche

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Von: Thomas Gebauer

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Das Bremerhavener Containerterminal an der Außenweser.
Das Bremerhavener Containerterminal an der Außenweser. © Eckhard Stengel

Aber nicht das Zusammenrücken der Welt ist das Problem, sondern der prekäre Zustand, in dem sie sich befindet. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Heute über die Chancen weltbürgerlicher Verhältnisse nachzudenken, sei etwas für Optimisten, heißt es. Die Zunahme geostrategischer Konflikte, die Schwäche der Vereinten Nationen und das Wiederaufflammen nationalistischer Politik scheinen dem pessimistischen Blick auf die Welt Recht zu geben. Angesichts von Klimawandel, Pandemien und zusammenbrechender Lieferketten klingt Globalisierung heute tatsächlich eher nach „Krise“ als nach einem sich auf universelle Werte gründenden Kosmopolitismus.

Das muss aber nicht so bleiben. In seinem griechischen Ursprung steht das Wort „Krise“ für den Höhe-, aber auch Wendepunkt eines gefährlichen Geschehens. Auch die gegenwärtige Krise birgt die Chance für eine Umkehr.

Dabei sollte allerdings klar sein, dass die Rettung nicht im Nationalen oder gar Privaten liegt. Mit der Abkehr von der Welt wird sich keines der drängenden Probleme der Gegenwart lösen lassen. Der Geist der Globalisierung ist längst aus der Flasche. Aber nicht das Zusammenrücken der Welt ist das Problem, sondern der prekäre Zustand, in dem sie sich befindet. Weder die grenzüberschreitenden Begegnungen von Menschen, noch globale wirtschaftliche Austauschverhältnisse und auch nicht die dabei entstandenen wechselseitigen Abhängigkeiten haben die Missstände geschaffen, sondern eine Politik, die wenige Menschen reich und viele arm werden ließ.

Wie absurd, wenn nun an den Stränden des Mittelmeers Flüchtende, die, um zu überleben, Gefahren für Leib und Leben auf sich nehmen, auf Touristen treffen, die bereits klagen, wenn sie längere Wartezeiten an Flughäfen in Kauf nehmen müssen.

Mehr denn je wird heute klar, dass die Chancen für weltbürgerliche Verhältnisse nicht mehr in einem elitären Kosmopolitismus von oben liegen, der auf ungebremstes Wirtschaftswachstum, auf Konkurrenz und Profit setzt, sondern in einer Politik des Ausgleichs. Die Zukunft liegt nicht in der Absicherung von Privilegien, sondern in der Begegnungen von Menschen, die sich gegenseitig wertschätzen und auf ein würdiges Zusammenleben bedacht sind.

Noch Anfang der 2000er Jahre gab es Anzeichen, den Hunger aus der Welt schaffen zu können. Heute ist er auf brutale Weise zurück. Über 800 Millionen. Menschen hungern. Dabei würden die weltweit vorhandenen landwirtschaftlichen Kapazitäten ausreichen, um alle satt zu machen.

Die Autor ist freier Publizist.

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