Artensterben, Klimawandel oder Bildungsmisere werden niemals von einem einzelnen Menschen gelöst, egal wie gut er oder sie „Kanzler kann“.
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Artensterben, Klimawandel oder Bildungsmisere werden niemals von einem einzelnen Menschen gelöst, egal wie gut er oder sie „Kanzler kann“.

Zukunft gestalten

Demokratie bedeutet mehr als Personalfragen - Ein Kommentar

  • Stephanie Borgert
    vonStephanie Borgert
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Wir sollten nicht zu viel Energie darauf verwenden, darüber zu debattieren, wer demnächst ins Kanzleramt einziehen sollte. Viel wichtiger ist, wie wir gemeinsam Demokratie gestalten. Ein Kommentar.

Die K-Frage ist, gemeinsam mit Corona und Trump, das Thema in der Öffentlichkeit oder zumindest in den Medien. Da wird verglichen, abgegrenzt und Chancenpotenzial ausgelotet. In der Union startet Norbert Röttgen auf der Außenseiterposition, während Armin Laschet in der gesellschaftlichen Mitte verortet wird und Friedrich Merz die Wirtschaft rettet. Wie wird Deutschland sein, wenn der eine oder der andere im Kanzleramt Platz nehmen sollte? Was wird sich ändern?

Die Antwort: so gut wie nichts. Der Personenkult mag zwar viel Stoff für die Gazetten liefern, geht aber an der Realität vorbei. Denn Politik oder auch Gesellschaft sind Systeme, die aus Systemen bestehen. Parteien, Verbände, Gremien, Lobbys, Ministerien, Bund, Länder und so weiter sind soziale Systeme und als solche folgen sie ihren eigenen Spielregeln. Zu glauben, dass ein neuer Bundeskanzler Deutschland revolutionieren wird, ist in etwa so wie die Idee, dass Marco Reus als Kapitän von Borussia Dortmund dafür sorgt, dass das Ziel zukünftig Verlieren statt Gewinnen sei.

Kollektive Intelligenz statt Egoismus

Die Spieler sind zudem Berufspolitiker, deren ureigenstes Interesse die Wiederwahl ist. Damit ist klar, dass sie alle sich einfügen und Reformen schnell zu kleinen kosmetischen Behandlungen verkommen. Ob Kohl, Schröder oder Merkel, keiner von ihnen hat das Spiel grundlegend verändert. Und selbst wenn wir Wiedervereinigung, Hartz IV oder den Strom der Flüchtenden 2015 betrachten, finden wir keine Einzelleistung eines amtierenden Amtsinhabenden.

Die komplexen Aufgaben der Gegenwart werden nicht allein mit bestehendem Wissen und schon gar nicht von Einzelnen gelöst. Komplexität ist nichts für Einzelgänger, die kollektive Intelligenz ist wichtiger als Egoismen.

Große Probleme werden niemals von Einzelnen gelöst

Wir diskutieren zwar gerne über einzelne Menschen, es braucht aber eigentlich die Betrachtung von Systemdynamiken und den Diskurs über gute Lösungen der tatsächlichen Missstände. Wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Artensterben, Klimawandel oder Bildungsmisere werden niemals von einem einzelnen Menschen gelöst, egal wie gut er oder sie „Kanzler kann“.

Wir Bürger sollten deshalb unsere Energie nicht darauf verwenden zu debattieren, wer im Kanzleramt auf dem heißen Stuhl sitzen soll, sondern wie wir gemeinsam Demokratie gestalten.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die kranke Organisation“.

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