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Wie soll das richtige Rezept für die Zukunft der Wirtschaft aussehen?
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Wie soll das richtige Rezept für die Zukunft der Wirtschaft aussehen?

Kapitalismus

Das Rezept für die Zukunft

  • Andreas Bangemann
    vonAndreas Bangemann
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Was ist mehr Wert: Die Gegenwart oder die Zukunft? Es braucht ein Umdenken: Für eine Wirtschaft ohne Zwang zum Wachstum.

Zwingend benötigte Zutaten für den Kapitalismus sind Zeit und Zinsen. In allen Kochbüchern der Wirtschaftswissenschaften wird ihre herausragende Rolle im Kapitel Finanzmathematik behandelt. Die Überschriften lauten „Diskontierung und Askontierung“ oder, für Hobbyköche, „Ab- und Aufzinsung“. Dabei geht es um eine Geldsumme zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft, die Zeitdauer bis dahin und den Zinssatz. Das Ergebnis der Berechnungen läuft bei positiven Zinsen immer auf dasselbe hinaus: Der Wert des Geldbetrags ist umso höher, je früher man ihn erhält. Oder einfacher ausgedrückt: Die Gegenwart ist mehr wert als die Zukunft.

Dieses Prinzip ist das Rezept für finanziellen Erfolg. Wer über Kapital verfügt, „kocht“ danach. Die dadurch in der Kapitalismusküche herrschenden Bedingungen treiben zu ewigem Wachstum an. Fleischlose Gerichte wie „Grünes Wachstum“ oder sozialpolitisch verteilte Amuse-Gueule (Grüße aus der Küche) für die materiell Unterversorgten dienen eher dazu, den Hunger zu vergrößern, als dass auf die Hauptmahlzeit verzichtet werden könnte, die da lautet: Kapital muss sich vermehren.

Von der Politikkanzel ertönen derweil die Sonntagsreden über den Schutz zukünftiger Generationen und deren Recht auf eine intakte Umwelt. Dabei begeht man, einvernehmlich mit vielen Kapitalismusgegnern, den Fehler, sich kritisierend an den Köchen und ihren Mahlzeiten abzuarbeiten. Rezepte und Zutaten werden kaum infrage gestellt. Etliche denken darüber nach, wie man alle Kochbücher umschreiben könnte. Dabei ist die Lösung einfacher und pocht bereits an die Eingangstür der Weltwirtschaften.

Die Küchenmeister alter Kapitalismusschule jammern wegen der aktuell historisch niedrigen Zinsen. Was man 200 Jahre vor Christi Geburt erstmals in einem chinesischen Mathematikbuch erwähnte, macht im 21. Jahrhundert den Zinsmathematikern angst und bange: negative Zahlen. Wenngleich man bei negativen oder dauerhaft um Null pendelnden Zinsen kein einziges Wirtschaftskochbuch umschreiben müsste. Die Berechnung eines Geldwerts im Zeitverlauf bliebe gleich, aber mit einem völlig anderen Ergebnis: Je später man einen Geldbetrag erhält, umso höher sein Wert. Eine Welt ohne Wachstumszwang erschiene realisierbar und wie von Zauberhand wäre die Zukunft mindestens gleichwertig zur Gegenwart.

Der Autor ist Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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