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Aus dem Handelskrieg zwischen den USA und China ist ein Währungskrieg geworden.

Handelskrieg USA und China

Handelskrieg USA und China: Die EU darf sich nicht wegducken

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Angesichts des Streits zwischen den USA und China wird es Zeit, dass die EU über sich hinauswächst. Sie könnte anbieten, zwischen Peking und Washington zu vermitteln. Die Wirtschaftskolumne.

Als die damalige US-Außenministerin Clinton 2012 China besuchte, sagte sie einen interessanten Satz: „Unsere beiden Nationen versuchen etwas, das in der Geschichte noch nie gelungen ist, nämlich eine neue Antwort auf die Frage zu finden, was passiert, wenn eine etablierte Macht auf eine aufstrebende Macht stößt.“

Wettrüsten in Asien hat schon begonnen

Was normalerweise passiert, ist bekannt: Es gibt Konflikte, mitunter Krieg. Soweit sind China und die USA glücklicherweise noch nicht, auch wenn das Wettrüsten in Asien schon begonnen hat. Doch der Satz von damals gilt nicht mehr. Aus dem Handelskrieg zwischen beiden Staaten ist bereits ein Währungskrieg geworden. Das liegt nicht nur, aber vor allem an US-Präsident Trump. Er hat kein Interesse, eine Antwort auf Clintons Frage zu geben.

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion.

Trumps Strategie der massiven Eskalation in seinen handelspolitischen Konflikten ist eine Katastrophe. Er will keinen Ausgleich, er will einen Sieg – und das ist für ihn immer auch die Niederlage der Gegenseite. Die EU ist dabei bisher glimpflich davongekommen, indem sie Trump höhere Einfuhrquoten für Soja, Flüssiggas und Rindfleisch gegeben hat. Sie hat sich weggeduckt, zahlt aber bislang immerhin keinen so hohen ökonomischen Preis wie China. Trotzdem ist das ein gefährliches Spiel: Was müssen wir Trump als nächstes geben, wenn er erneut mit Autozöllen droht?

Wieder zeigt sich: Die EU, dieser ökonomische Riese, handelt politisch häufig wie ein Zwerg. Für China gilt das nicht. Das Land könnte als politischer Sieger aus dem Währungskrieg hervorgehen, wenngleich zu einem hohen ökonomischen Preis. Den zahlt dann auch der Rest der Welt, Europa eingeschlossen, denn in Währungskriegen verlieren alle.

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Angesichts der drohenden Konsequenzen wird es Zeit, dass die EU über sich hinauswächst. Sie könnte anbieten, zwischen Peking und Washington zu vermitteln. Sie sollte durch mehr Investitionen ihren Binnenmarkt stärken. Und es ist überfällig, dass sie selbstbewusst die Initiative für ein Bündnis von Staaten ergreift, die sich zum Klimaabkommen, zu starken Vereinten Nationen und zu sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Standards bekennen und die im Handel untereinander auf Zölle verzichten. Dafür braucht es Tatkraft, aber die Mühe würde sich lohnen. Denn wenn die neue multipolare Weltordnung funktionieren soll, muss Europa darin einen eigenen Pol der Stärke, Stabilität und Vernunft bilden.

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