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Communication is queen

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Von: Mona Schnell

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Aus Angst, etwas Falsches zu sagen oder aufdringlich zu wirken, äußern viele lieber gar nichts mehr. Dann wird’s abenteuerlich.

Die Geschichte der Kommunikation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Die einen denken, sie wüssten genau, was die anderen wollen. Die anderen glauben zu wissen, was die einen brauchen. So konfus sich der letzte Satz liest, so groß das Durcheinander, wenn wir aneinander vorbei oder gar nicht kommunizieren. Dann schmeißt Tante Agathe eine Überraschungsparty für Onkel Peter, um ihm eine Freude zu machen. Der hätte seinen 50. hingegen lieber allein und in Ruhe auf dem neuen Motorrad gefeiert.

Wer glaubt, das passiert nur rein privat, der irrt. In deutschen Büros geht’s nicht besser zu. Sätze wie: „Wenn du mich fragst, ich würde das ja so und so machen“ gehören zum Standardrepertoire. Ein toller Tipp, den meist keiner braucht und um den nur selten gebeten wird. Oder wir erteilen ungefragt gute Ratschläge zum Beispiel zum Ordnungssystem oder anstehenden Gesprächen mit dem Chef, weil wir helfen wollen. Dabei ist das genauso lästig, wie sich hinterher darüber aufzuregen, dass gewollte Ratschläge nicht umgesetzt werden. Warum nicht lieber vorher nach den Bedürfnissen fragen, statt sich hinterher entschuldigen zu müssen? Fragen sollte das erste Mittel der Wahl sein und mit der Antwort müssen wir auch dann leben können, wenn sie anders ausfällt als wir dachten.

Während Onkel Peter Tante Agathes wortlosen Aktionismus zwar nervig findet, verzeiht er ihr spätestens beim nächsten Schnaps. Im Büro, oft ohne langjährige Bindungen, kippt die Stimmung schneller und beständiger. Plaudert die Chefin ungefragt in großer Runde den Antrag des Kollegen auf Vaterschaftsurlaub aus, um seinen vorbildlichen Einsatz an der Elternfront loben, kann das für ihn ein Übergriff in seine Privatsphäre sein.

Aus Angst, etwas Falsches zu sagen oder aufdringlich zu wirken, äußern viele lieber gar nichts mehr. Dann wird’s abenteuerlich, weil wir nur annehmen können und dabei gerne von uns auf andere schließen. Der Todesstoß fürs gute Büroklima. Deshalb muss immer klar sein: „Communication is queen“. Weil wir uns aber individuell ausdrücken, braucht sie immer ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Diplomatie, um zu funktionieren. Das klappt nur, wenn wir aufhören zu spekulieren und zu erwarten - und anfangen zu fragen und zuzuhören.

Die Autorin schreibt Bücher und

Texte für Expertinnen und

Künstler und verlegt Sachbücher.

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