Die Kundgebung von Fridays for Future am Donnerstag (02.07.2020) auf dem Schlossplatz in Saarbr¸cken. Im Anschluss wird
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Wie können wir diese Offenheit nutzen, um den Weg in eine bessere Zukunft einzuschlagen?

Gastwirtschaft

Die Chance für den Umbau

  • Nina Treu
    vonNina Treu
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Die Pandemie hat gezeigt, wie stark staatliches Handeln in Krisenzeiten sein kann. Wir sollten das jetzt nutzen, um den Weg hin zu einer sozial und ökologisch gerechten Zukunft einzuschlagen. Die Gastwirtschaft.

Aktuell befinden wir uns in einem merkwürdigen Zwischenstadium. Corona ist noch da, aber wirkt hierzulande nicht mehr so bedrohlich. Der Lockdown war ein völlig neuer Zustand, für viele belastend bis existenzzerstörend, doch gerade läuft in Deutschland fast alles wieder an.

Dennoch: Es wird mit einer zweiten Welle gerechnet und die negativen sozialen und wirtschaftlichen Folgen werden noch lange anhalten. Gleichzeitig hat der internationale Stillstand gezeigt, wie eine sich erholende Natur aussehen könnte und dass konsequentes politisches Handeln möglich ist. Und nachdem Proteste monatelang (fast) nur digital möglich waren, haben sich Menschen die Straßen jetzt mit anti-rassistischen Protesten weltweit zurückerobert und eine globale Debatte über strukturellen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst.

Es ist ein Schwanken zwischen vermeintlicher Normalität, dystopischen Zuständen und demokratischer Erneuerung. Vieles scheint möglich und wenig ausgemacht. Wie können wir diese Offenheit nutzen, um den Weg in eine bessere Zukunft einzuschlagen?

Denn ein sozial-ökologischer Umbau ist weiterhin dringend notwendig. Gerade erst hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnet, wie ungerecht Reichtum in Deutschland verteilt ist. Die oberen zehn Prozent besitzen knapp zwei Drittel des Vermögens und die untere Hälfte fast nichts. Der Klimawandel schreitet trotz des kurzfristigen Emissionsrückgangs in Folge des Shutdowns weiter voran – und wird dies auch weiter tun, solange unsere Wirtschaft auf fossiler Energie basiert.

Anstatt Milliarden in profitorientierte und klimaschädliche Unternehmen und Sektoren wie die Flugindustrie zu stecken, sollte der Staat also die Chance nutzen, unsere Wirtschaft und Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Dieser Umbau muss gleichermaßen auf soziale und ökologische Gerechtigkeit abzielen und demokratische Beteiligung sichern.

Konkrete Vorschläge für erste Schritte sind zahlreich vorhanden: eine sozial-ökologische Steuerreform inklusive Vermögens-, Erbschafts- und CO2-steuer; eine Vermögensabgabe beziehungsweise ein Schuldenschnitt; Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung vor Sorgearbeit sowie die Ausweitung der demokratischen Mitbestimmung und Führung in Firmen.

Corona hat gezeigt, wie stark staatliches Handeln in Krisenzeiten sein kann – das gilt es jetzt anzuwenden für den Umbau.

Nina Treu arbeitet beim Konzeptwerk Neue Ökonomie.

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