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Wer sich um Angehörige kümmert und das gut mit seinem Beruf vereinbaren kann, ist überdurchschnittlich zufrieden.
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Wer sich um Angehörige kümmert und das gut mit seinem Beruf vereinbaren kann, ist überdurchschnittlich zufrieden.

Pflege

Care-Arbeit und ihr Wert

Das Märchen der freiwilligen Arbeitslosigkeit: Wer Care-Arbeit leistet, gilt oft als arbeitslos. Das ist ein Problem. Die Gastwirtschaft von Konrad Krause.

Arbeitslosigkeit stigmatisiert. Ein besonders problematisches Vorurteil lautet, dass sie freiwillig sei und etwas mit Faulheit zu tun habe. Das ist falsch! Lohnarbeitslosigkeit kann viele Ursachen haben und ist in den meisten Fällen unfreiwillig. Auch die orthodoxe Wirtschaftstheorie propagiert ein falsches Konzept von Arbeitslosigkeit. Die Theorie unterscheidet zwei Formen – freiwillige und unfreiwillige Arbeitslosigkeit.

Diese Unterscheidung leitet sich aus der grundlegenden Konsumentscheidung auf dem Arbeitsmarkt ab. Es wird zwischen zwei Gütern abgewogen, Freizeit und Arbeit. Arbeit verschafft uns den Lohn, den wir konsumieren. Freizeit ist alles, was nicht Lohnarbeit ist: der Einkauf, der Schlaf, die Liebe. Man gilt als freiwillig arbeitslos, wenn man aus einer weiteren Stunde Arbeit (beziehungsweise dem Lohn) weniger Nutzen ziehen würde als aus einer weiteren Stunde Freizeit. Freiwillig Arbeitslose wollen nicht arbeiten, weil ihnen der Lohn zu niedrig ist. Unfreiwillig Arbeitslose wollen mehr arbeiten, können aber nicht durch externe Gründe. Soweit die Theorie.

Allerdings werden viele Tätigkeiten fälschlicherweise als freiwillig arbeitslos kategorisiert – unter anderem Care-Arbeit, die etwa Pflege, Hausarbeit und Erziehung umfasst. Für Care-Arbeit wird häufig kein Lohn gezahlt, daher kommt diese nicht in der grundlegenden Konsumentscheidung vor. Trotzdem ist Care-Arbeit unverzichtbar. Alle, die ausschließlich diese Arbeit verrichten und dafür keinen Lohn erhalten, gelten als freiwillig arbeitslos – da sie für den Lohn, den sie auf dem Markt erhalten würden, nicht arbeiten „wollen“.

Warum ist diese falsche Kategorisierung problematisch? Eine falsche Kategorisierung heißt, dass die Theorie falsch ist. Care-Arbeit wird als freiwillig und damit als Teil der Freizeit verstanden. So entsteht der Anschein, dass diese Arbeit nur aus Spaß verrichtet wird, wodurch die Verantwortung und Kosten der Arbeit auf individuelle Care-Arbeitende übertragen werden. Die resultierende Stigmatisierung führt schließlich auch zu falschen politischen Entscheidungen.

Besonders in Zeiten der Pandemie sollte klargestellt werden, dass Care-Arbeit keine freiwillige Arbeitslosigkeit ist – sondern das Fundament jeglicher gesellschaftlichen Wertschöpfung.

Der Autor ist Teil der Initiative „Was ist Ökonomie?“, die sich mit feministischen und anderen kritischen Perspektiven auf die Ökonomie befasst.

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