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2023 dürfte hart werden - durch hemmungslose Krisengewinnlerei

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Von: Mechthild Schrooten

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In Deutschland soll der Effizienzzwang durch steigende Preise unter Gas- oder Strompreisbremsen und Gaspreisdeckeln erhalten bleiben.
In Deutschland soll der Effizienzzwang durch steigende Preise unter Gas- oder Strompreisbremsen und Gaspreisdeckeln erhalten bleiben. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Kosten für alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche steigen weiter. 2023 dürfte ein hartes Jahr werden – trotz Strom- und Gaspreisbremse. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Bremen - Bei einer Inflationsrate von 10,4 Prozent im Oktober 2022 kündigen sich weitere Preissteigerungen an. Fossile Energie ist jetzt auch von der Kostenseite keine sinnvolle Alternative mehr. Deutschland steht unter dem kräftigsten Transformationsdruck seit langem. Die steigenden Energiepreise haben das Potenzial, in alle Bereiche des Lebens und Wirtschaftens zu kriechen und dort Verhaltensanpassungen zu verlangen. Der Blick auf die Erzeugerpreise zeigt, dass eine Trendwende so schnell nicht zu erwarten ist.

Energiekrise: Strompreisbremse und Gaspreisdeckel werden diskutiert

In dieser Situation soll es ab demnächst eine Strompreisbremse und auch einen Gaspreisdeckel geben. Die konkrete Ausgestaltung wird angeregt diskutiert. Es steht die unglaubliche Summe von 200 Milliarden Euro im Raum. Deutschland ist mit der Inflationserfahrung nicht allein. Vielmehr sind davon nahezu alle Länder der Erde betroffen. Blicken wir etwa auf das Nachbarland Frankreich, so wird schnell klar, dass dort bereits seit 2021 Preisbremsen im Energiesektor etabliert sind. Das Politikpaket hat ein Volumen von schätzungsweise 45 Milliarden Euro. Es gibt einen sogenannten Tarifschutz für Strom, der Preissteigerungen auf vier Prozent begrenzt. Der Gaspreis ist auf dem Niveau von 2021 „eingefroren“. Die Differenz zahlt der Staat. Darüber hinaus wurden spezielle Schutzmaßnahmen für Unternehmen auf den Weg gebracht.

Energiekriese: Deutschland abhängig von Gas

Natürlich unterscheidet sich die energiepolitische Situation Frankreichs in Bezug auf die Abhängigkeit von Gas. Daher sind die Finanzvolumina, die Regierungen in Paris und Berlin aufbringen, nicht so leicht zu vergleichen. Die Ideen sind aber ähnlich. Im Falle Frankreichs wird klar, dass die staatlichen Hilfen nicht zwangsläufig mit einer höheren Energieeffizienz und Energiesparen einhergehen. In Deutschland dagegen soll der Effizienzzwang durch steigende Preise unter Gas- oder Strompreisbremsen erhalten bleiben. Das ist gewissermaßen Optimierung unter krassen Nebenbedingungen und ein hochkomplexes Unterfangen. Auch weil gerade große Unternehmen vielfältige – teilweise grenzüberschreitende – Ausweich- und Buchungsstrategien entwickeln können. Das ist vollständig anders als bei privaten Haushalten.

Hemmungslose Krisengewinnlerei gefährdet den ohnehin brüchigen gesellschaftlichen Zusammenhalt immer mehr. 2023 wird voraussichtlich ein hartes Jahr.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

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