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Böses Erwachen: Steigende Zinsen bei der Europäischen Zentralbank (EZB)

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Von: Beate Bockting

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„Bei explodierenden Energiepreisen, Lieferengpässen und einer sich verschärfenden geopolitischen Krise sind Zinserhöhungen kontraproduktiv. Sie heizen nur die Rezession an.“
„Bei explodierenden Energiepreisen, Lieferengpässen und einer sich verschärfenden geopolitischen Krise sind Zinserhöhungen kontraproduktiv.“ (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa

Mit höheren Zinsen will die EZB die Nachfrage dämpfen. Das trifft hochverschuldete Volkswirtschaften hart, die auf günstige Finanzierungsbedingungen angewiesen sind.

Frankfurt – Die „Normalisierung der Geldpolitik“, die sich insbesondere deutsche Geschäftsbanken und ihre Einleger in den vergangenen Jahren sehnlich herbei gewünscht haben – sie dürfte in den kommenden Monaten, ja Jahren zu einem bösen Erwachen und zur verspäteten Einsicht führen, dass die Negativzinsen doch große Vorzüge hatten. Denn die steigenden Zinsen treffen auf hoch verschuldete Volkswirtschaften, die weiterhin auf günstige Finanzierungsbedingungen angewiesen sind.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen seit Ende Juli um 125 Basispunkte erhöht. Und der EZB-Rat hat bereits angekündigt, dass er sie in den kommenden Sitzungen weiter anheben will. Sein Ziel: die Nachfrage dämpfen und dem Risiko dauerhaft steigender Inflationserwartungen vorbeugen. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Inflation von der Angebotsseite kommt. Bei explodierenden Energiepreisen, Lieferengpässen und einer sich verschärfenden geopolitischen Krise sind Zinserhöhungen kontraproduktiv. Sie heizen nur die Rezession an.

Gastwirtschaft-Kolumne: EZB erhöht Leitzins seit Juli um 125 Basispunkte

Die Zinsen für neu begebene Staatsanleihen sind bereits deutlich gestiegen. Die erhöhten Zinsen treffen auf immer noch historisch hohe Schuldenstände. Die 19 Euro-Länder hatten 2020 ihre Verschuldung Corona-bedingt stark ausgeweitet und Ende 2021 einen durchschnittlichen öffentlichen Schuldenstand von 95,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht. Griechenland und Italien liegen mit 193 beziehungsweise 151 Prozent noch weit darüber.

Die EZB rechnet damit, dass die Zinsausgaben in Relation zum BIP bis 2024 ähnlich hoch sein werden wie von 2019 bis 2021. Das ist angesichts der Weltlage eine optimistische Annahme. Solange Militärausgaben und staatliche Stützungsmaßnahmen für Unternehmen und Haushalte die Neuverschuldung der Staaten ankurbeln, wird die Zinslast – bei nun höheren Zinssätzen – wieder ansteigen.

Gastwirtschaft-Kolumne: Investitionen rücken in weite Ferne

Und es geht ja nicht nur um die öffentliche Schuldenlast. Geschäftsbanken haben ihre Kreditzinsen seit dem Frühjahr spürbar erhöht. Schlecht für Unternehmen, die jetzt in neue Energietechnik, effizientere Maschinen oder in knappe Fachkräfte investieren müssen. Teurer werden auch private Investitionen in eine Wärmepumpe oder Solaranlage, ganz zu schweigen von der eigenen Immobilie, die jetzt für viele in weite Ferne rückt.

Manchmal versteht man erst hinterher, was vorher gut war.

(Beate Bockting, stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.)

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