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Konservative Ökonomen täuschen das Wirtschaftswachstum mit Sprache.(Symbolbild)
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Konservative Ökonomen täuschen das Wirtschaftswachstum mit Sprache.(Symbolbild)

Volkswirtschaft

Günther Moewes: Bluff mit Begriffen

  • Günther Moewes
    VonGünther Moewes
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Nullwachstum und Nullrunde: Wie konservative Ökonomen mit Sprache täuschen.

Trotz des berühmten Buches von Dennis Meadows über die „Grenzen des Wachstums“ von 1960 hat bis heute kaum jemand den Katastrophencharakter des Wachstums in Industrieländern in seiner ganzen Dramatik erkannt. Wirtschaftsminister und TV jammern weiter, wenn es ausbleibt. Den immer schnelleren Wechsel zwischen nie dagewesenen Waldbränden und Überflutungen hofft man mit technischen Mitteln und durch „grünes Wachstum“ in den Griff zu bekommen. Woher kommen solche Irrtümer?

Wenn eine Stadt jedes Jahr linear um vier Prozent wächst, hat sie sich nach 25 Jahren verdoppelt. Für Ökonomen ist das „Nullwachstum“, weil nur der Bestand wächst, nicht aber die Produktion. Sie reagieren empört auf solche Beispiele: Wachstum sei in der Ökonomie ein für allemal Produktionswachstum und nicht Bestandswachstum. Der Unterschied zwischen Stromgrößen und Bestandsgrößen werde unterschlagen. Das lerne man bei ihnen im zweiten Semester.

Es geht aber gar nicht um Definition. Es geht um Wortwahl: Wenn man Nullwachstum“sagt, erwartet alle Welt, dass etwas nicht mehr wächst. Sogar bei abnehmendem Wachstum wächst das Sozialprodukt aber meist munter weiter.

Sozialprodukt? Produkt ist laut Duden Produktionsergebnis. Gemeint ist also nicht das Produkt, sondern die Produktion. Wenn aber die Produktion jedes Jahr exponentiell um vier Prozent wächst, wächst der Bestand nach 25 Jahren bereits um 10,7 Prozent pro Jahr.

Erbsenzählerei? Nein. Solcher Bluff mit Sprache zieht sich durch die ganze Ökonomie. Immer zugunsten der Kapitalseite und zulasten von Bevölkerung und Natur. Der Arbeitgeber gibt die Arbeit. So, als ob er sie schon vorher besessen hätte. Und der Arbeitnehmer macht sie nicht, sondern nimmt sie dankbar an. Ökonomen sagen: Gewinnwarnung statt Verlustwarnung, Nullrunde statt Kürzung um Inflationsrate, Umverteilung statt Rückverteilung, Wachstumsprozente pro Land statt pro Kopf. Ihr Umlagesystem legt die Lasten in Wirklichkeit auf Arbeitende und Jüngere, und das immer mehr von Maschinen verdiente Geld auf die Kapitalseite um. Und ihre Arbeitsbeschaffung erfindet schädliche Arbeit, um Milliardären, Konzernen und Finanzmärkten Gewinne zuzuschanzen. Verdummung mit Begriffen.

Günther Moewes ist emeritierter Professor für Industrialisierung. Von ihm stammt das Buch „Das kleine Lexikon der ökonomischen Sprachtäuschung“.

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