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Bloß kein Fracking!

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Von: Norbert Nicoll

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Der Bohrturm einer Ölförderplattform in Tunkhannock im US-Bundesstaat Pennsylvania arbeitet nach dem Prinzip des „Fracking“.
Der Bohrturm einer Ölförderplattform in Tunkhannock im US-Bundesstaat Pennsylvania arbeitet nach dem Prinzip des „Fracking“. © Jim Lo Scalzo/dpa

Wir müssen wegen des Klimawandels weg von fossilen Energieträgern – und zwar schnellstmöglich. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Erdgas ist teuer. Das regt die Phantasie an. Liz Truss, britische Kurzzeit-Premierministerin, hob das Fracking-Verbot auf. Ihr Nachfolger Rishi Sunak ruderte zurück – London bleibt beim Verbot. Auch Berlin? Die FDP meint, man solle Gas-Fracking prüfen. Markus Söder hat sich ähnlich geäußert.

Beim Fracking wird Gas oder Öl mit Hilfe von Druck aus dem Boden freigepresst. Die USA haben mit dieser Methode ihre Öl- und Gasförderung deutlich gesteigert. Wäre der US-Weg ein Ausweg? Mitnichten. Wir müssen wegen des Klimawandels weg von fossilen Energieträgern – und zwar schnellstmöglich. Abgesehen davon steht die Wirtschaftlichkeit des Frackings in den USA infrage – der Boom war lange Zeit durch extrem niedrige Zinsen angefacht worden. Das ist nun vorbei. Bleibend sind dagegen die Umwelt- und Klimaschäden in den USA.

Schiefergas sitzt in einem sehr dichten Gestein fest. In dieses wird Hochdruckwasser, das mit einem Chemikaliencocktail versetzt ist, eingeleitet. Der Druck des Wassers sprengt das Gestein auf, so dass das Gas entweichen kann. Enorme Mengen von Sand sind zur Füllung der Risse erforderlich, damit die Gesteinsformation stabil bleibt. Beim Sprengen des Gesteins werden große Mengen Methangas freigesetzt. Die Nasa hat in einer Studie ermittelt, dass die Methanzunahme der letzten Jahre in der Atmosphäre zu über einem Drittel auf das Fracking zurückzuführen ist. Ein Bärendienst für das Klima!

In den USA wurden wichtige Umweltstandards beim Gewässerschutz aufgegeben, bevor das Fracking möglich wurde. Das blieb nicht ohne Folgen: In verschiedenen Gebieten kam es zu Verunreinigungen des Grundwassers. Apropos Wasser: Fracking ist ein äußerst wasserintensives Förderverfahren. Ein Fracking-Vorgang in den USA benötigt im Durchschnitt 19 000 Kubikmeter Wasser. Fracking schädigt nachweislich die Gesundheit von Menschen und Tieren. Das Frack-Abwasser ist giftig. Rückstände von Schwermetallen sind nachgewiesen.

Der Geologe Richard Miller hat für das Fracking nur Sarkasmus übrig: „Wir sind wie die Laborratten in einer Kiste aus Pappkarton, die alle Cornflakes aufgegessen haben. Jetzt haben wir erkannt, dass wir auch den Pappkarton essen können.“

Der Autor lehrt Nachhaltige Entwicklung an der Uni Duisburg-Essen und publizierte zuletzt das Sachbuch „Adieu, Wachstum! Das Ende einer Erfolgsgeschichte“.

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