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Seenotrettung im Mittelmeer: Seit 2014 sind schon rund 30.000 Menschen gestorben, schätzt die Internationale Organisation für Migration IOM.

Flucht und Migration

Wo bleibt die Perspektive für Afrika?

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Die Grenzen Europas werden immer weiter in den afrikanischen Kontinent vorverlagert, das Recht auf Leben aller Menschen missachtet.  Wir müssen Fluchtursachen glaubhaft bekämpfen.

Immer mehr Menschen sind weltweit auf der Flucht, doch Europa scheint unfähig, an den Ursachen zu arbeiten und humane und menschenrechtskonforme Antworten auf die Schutzansprüche der Flüchtenden zu finden. Die Flüchtlinge werden nach Libyen zurückgeschickt, wo sie Lagerhaft und oft sogar Folter und Vergewaltigung, Versklavung und Bombardierungen erwarten.

Die staatliche europäische Seenotrettung Sophia wurde eingestellt; die zivile Seenotrettung wird kriminalisiert, Boote konfisziert und die Seehäfen Italiens geschlossen.

Die Grenzen Europas werden immer weiter in den afrikanischen Kontinent vorverlagert. Die EU gibt den Sahel-Anrainern – darunter Niger – Entwicklungsgelder für Aktionspläne gegen die Migration, etwa für Grenzsicherungsmaßnahmen mit dem Ergebnis der Militarisierung des Sahel.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin des Hilfswerkes Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe.

Nigrische Sicherheitskräfte kontrollieren für Europa die traditionellen Handelswege durch die Wüste, besetzen Wasserstellen und Ortschaften. Flüchtende und Migranten müssen auf lebensgefährliche Umwege ohne Wasser ausweichen. Der Preis der Sicherheit in der Sahara ist sehr hoch: Seit 2014 sind schon rund 30.000 Menschen gestorben, schätzt die Internationale Organisation für Migration IOM.

Migration wird als sicherheitspolitisches Thema behandelt. Das ist keine nachhaltige Strategie zur Bekämpfung der Ursachen. Dafür benötigen die Menschen in den Herkunftsländern wirtschaftliche Perspektiven und bessere Lebensbedingungen. Die Europäische Union finanziert aber Projekte für die lokale Bevölkerung in den Transit- und nicht in den Herkunftsländern, beispielsweise im Niger, in Marokko und Tunesien nach dem Motto: „Tausche Entwicklungsgelder gegen Migrationskontrolle“.

Cornelia Füllkrug-Weitzel

Die Europäische Union muss sich wieder auf eine Politik besinnen, die die Würde und das Recht auf Leben aller Menschen achtet. Die europäischen Mitgliedstaaten sollten ihre Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache einstellen und Bootsflüchtlinge nicht mehr in libysche Lager zurückschicken. Wir brauchen einen EU-Notfallplan für Bootsflüchtlinge und ein faires und freiwilliges Verteilungssystem. Schließlich brauchen wir ein faires Einwanderungsgesetz und eine Fluchtursachenbekämpfung, die ihren Namen verdient.

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