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Die Türme von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt.

Geldhäuser

Wo bleibt die Innovation?

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Dem Bankensektor in Deutschland fehlt eine Mega-Geschäftsidee.

Der deutsche Finanzsektor kriselt vor sich hin. Ein Blick auf die Aktienkursentwicklung von Commerzbank und Deutscher Bank spricht Bände. Die Acht-Euro-Marke scheint inzwischen für die Papiere der beiden Institute kaum zu überwinden zu sein. Unglaublich, dass sich nach all den Bankenrettungs-, Umstrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen offenbar keine größeren Erfolge einstellen. In dieser Situation hört man von Fusionsphantasien im Bankensektor.

Dabei wurde im Gefolge der internationalen Finanzkrise 2008 immer wieder eindrücklich vor allzu großen Finanzinstituten gewarnt. Denn sie können durch Klumpenrisiken das gesamte Finanzsystem gefährden. Die systemische Relevanz von großen Instituten sollte beschränkt werden. Es hatte sich gezeigt, dass gerade die kleineren Häuser das System in der Krise stabilisiert hatten. Größe wurde zum kritischen und damit negativen Faktor im Bankenwesen erklärt.

Jetzt aber – gut zehn Jahre später – scheinen diese Bedenken wie weggewischt. Auch die Finanzaufsicht (Bafin) hat offenbar kein größeres Problem mit einer möglichen Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank. Andere behaupten sogar, Deutschland benötige ein großes Kreditinstitut – zumindest für die internationalen Aktivitäten. Alles vergessen? Das ging ja schnell.

Dem deutschen Bankensektor fehlt nicht ein Mega-Institut, sondern es fehlt eine Mega-Geschäftsidee, ein tragfähiges, neues Geschäftsmodell. IT-Kompetenz und internationale Wettbewerbsfähigkeit werden durch den Zusammenschluss von Kreditinstituten wohl kaum geschaffen. Das zeigen die Erfahrungen. Es dürfte bei den angeführten Synergieeffekten vielmehr darum gehen, noch mehr Personal abzubauen, noch mehr Kosten zu drücken – das allein ist aber keine Zukunftsgestaltung.

Gerade in den Bereichen E-Commerce lässt sich eine gewisse Gemütlichkeit feststellen. Neuere, internationale Entwicklungen – etwa im Bereich der Zahlungssysteme – werden kaum aktiv aufgenommen. Diese Geschäftsfelder werden anderen überlassen, der Schattenbankensektor wird so durch die Banken selbst gestärkt. Längst spielen deutsche Banken in Europa eine nachgeordnete Rolle. Innovationskraft wird liegen gelassen. Das ist das eigentliche Problem des deutschen Bankensektors.

Die Autorin ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Geld und Internationale Integration an der Hochschule Bremen.

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