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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat vor kurzem selbst erfahren, wie hart eine Putzkraft in einem Krankenhaus arbeitet.

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Die Rente kennt keine Bedürftigkeitsprüfung.

Die Grundrente ist kein Geschenk. Sie ist das Ergebnis für die Leistung eines ganzen Lebens. Wer ein Leben lang gearbeitet, Kinder erzogen, Angehörige gepflegt hat, hat ein Recht auf eine Entlohnung seiner Leistung. Diese Leistung verdient Respekt, der nicht überprüft werden muss. Alle, für die die Grundrente infrage kommt, haben verdient, dass sie nicht den Gang aufs Sozialamt antreten müssen. Die Altenpflegerin wie die Verkäuferin.

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

Mit einer Bedürftigkeitsprüfung würden Millionen Rentner zu Fürsorgeempfängern. Wer in unserem Land Leistung gebracht hat, sollte nicht gezwungen werden, seine Bedürftigkeit nachzuweisen. VdK-Mitglieder erzählen mir, wie ausgegrenzt sie sich fühlen, wenn sie alles offenlegen müssen. So sollte keiner seinen Ruhestand antreten müssen.

Die Rente kennt keine Bedürftigkeitsprüfung. Das könnte die Rentenversicherung derzeit nicht leisten und es würde ein bürokratisches Monster geschaffen. Es ist nicht vermittelbar, warum bei der Mütterrente richtigerweise die Lebensleistung ohne Einkommensprüfung gezahlt wird, es bei der Grundrente aber anders sein soll.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat vor kurzem selbst erfahren, wie hart eine Putzkraft in einem Krankenhaus arbeitet. Sein Fazit: Diese Menschen müssen mehr Wertschätzung bekommen. Denn die halten den Laden am Laufen und das Land. Sollen genau diese Menschen nach einem Leben voll harter Arbeit und dennoch niedriger Entlohnung überprüft werden, ob sie bedürftig sind und eine Grundrente verdient haben? Nein. Politiker, die anderer Meinung sind, können gerne die Arbeit eines Paketboten oder einer Reinigungskraft übernehmen, um sich selber ein Bild zu machen. Vor allem müssen sie sich für einen Mindestlohn einsetzen, der die Grundrente irgendwann überflüssig macht. Respekt und Anerkennung für eine Lebensleistung: Das muss uns ein gemeinsames Anliegen sein.

Ein zentrales Versprechen des Sozialstaates ist, sicherzustellen, dass es im Alter eine gerechte gesetzliche Rente gibt. Ein System, das jahrzehntelange Arbeit und Arbeitende herabsetzt und Altersarmut zulässt, hat ein Legitimationsproblem. Auch deshalb ist es an der Zeit, Löhne und Gehälter endlich anzuheben. Längst nicht jeder hierzulande profitiert derzeit von der guten Wirtschaftslage. Eben das ist ein Grund, warum wir überhaupt über eine Grundrente sprechen.

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