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In der Bildung fehlt es noch immer an Geld und besseren Strukturen - es ist fatal, dass dies einfach hingenommen wird.

GASTWIRTSCHAFT

Bildung und Armut

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Wir müssen mehr in Schulen und Universitäten investieren. Die Wirtschaftskolumne.

Alljährlich werden Berichte über Armut und Reichtum erstellt. Aufwendig und mit erklärenden Grafiken. Jahrelang wurde den Ärmeren erklärt, dass Bildung der Schlüssel zum Reichtum ist. Armut wurde somit zum lösbaren Problem erklärt – und zwar lösbar durch das Individuum. Inzwischen steht fest, Bildung kann vielleicht Armut verhindern. Bildung macht aber nicht zwangsläufig reich. Dennoch ist Bildung die Voraussetzung für Aufstieg in dieser Gesellschaft.

Umso fataler ist es, dass es einfach hingenommen wird, dass der Bildungssektor unter strukturellen und finanziellen Schwächen ächzt. Der „Bildungsgipfel“ hat 2008 das Thema auf die Tagesordnung gehoben. Seitdem ist viel passiert – die Ausgaben für Bildung blieben allerdings hinter den Planungen zurück.

Jahrelang wurde nicht nur die Lehramtsausbildung vernachlässigt, auch die Jobchancen der so Ausgebildeten wurden zurückgeschraubt. Personal fehlt nicht erst jetzt. Heute gilt es als wunderbar und problematisch zugleich, dass jetzt Quereinstiegswillige in das Lehramt finden. Fragen seien erlaubt: Wurden eigentlich auch all diejenigen zum Einstieg eingeladen, die als ausgebildete Lehrkräfte Überlebensnischen irgendwo in der Gesellschaft finden mussten?

Gastwirtschaft: Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Mechthild Schrooten, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen.

Aber nicht nur die personelle Situation im Bildungsbereich ist diskussionswürdig. Darüber hinaus lässt sich an Schulen vielfach ein deutlicher Investitionsstau erkennen. Kitaplätze sind rar. Hochschulen planen von einem Hochschulpakt zum nächsten. Vieles Weitere lässt sich anführen. Diese Gemengelage mag einerseits die Konsequenz von kurzfristigem Denken sein. Kurzfristiges Denken, das langfristige Wirkungen hat. Andererseits ist die Unterfinanzierung des Bildungssektors auch eine klare verteilungspolitische Ansage. Während die materiell Bessergestellten die strukturellen und finanziellen Defizite der öffentlichen Hand durch eigene Mittel zumindest teilweise kompensieren können, können die Ärmeren eben nicht einfach ins Portemonnaie greifen. Armut wird so verfestigt.

Gute Bildung für alle ist dringend notwendig. Die Unterfinanzierung des Bildungssektors hilft niemandem. Deutschland steht vor vielen Herausforderungen, die mit einer besseren Bildung, besseren Bildungschancen und einem besseren Bildungssystem besser gelöst werden können. Und noch ein Argument: Gute Bildung ist weitgehend CO2 neutral.

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