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Bessere Regeln fürs nachhaltige Investieren

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Von: Rolf D. Häßler

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Die Regulierung rund um die nachhaltige Kapitalanlage so kompliziert geworden ist, dass sie ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren hat.
Die Regulierung rund um die nachhaltige Kapitalanlage so kompliziert geworden ist, dass sie ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren hat. © Imago

Der Gesetzgeber will Kapitalanlagen hin zu mehr Nachhaltigkeit regulieren. Doch das ist gar nicht so einfach.

Mein erster Chef sagte immer: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.“ Dieser Spruch kommt mir aktuell öfter in den Sinn, wenn ich die vielfältigen Aktivitäten der Regulatoren im Zusammenhang mit der Integration von nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien in den Kapitalmarkt sehe. Nach knapp 30 Jahren beruflicher Tätigkeit rund um die nachhaltige Kapitalanlage und so manchem Rückschlag bei der Verankerung des Themas in der Real- und Finanzwirtschaft habe ich mich gefreut, dass das Thema (endlich) auch beim Gesetzgeber und den Aufsichtsbehörden angekommen ist und regulatorischen Rückenwind bekommen hat.

Diese anfängliche Freude hat sich inzwischen gelegt. Dies liegt vor allem daran, dass die Regulierung rund um die nachhaltige Kapitalanlage so kompliziert geworden ist, dass sie ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren hat. Eigentlich sollte durch die Regulierung Kapital in nachhaltige Investitionen umgelenkt werden, um die Transformation der Wirtschaft in Richtung der Ziele des Pariser Klimaabkommens zu finanzieren. Als zentrale Hebel hierfür hat die EU-Kommission die Bekanntheit entsprechender Anlagemöglichkeiten und die Transparenz über deren Nachhaltigkeitsqualität ausgemacht.

Was nun an Vorgaben auf dem Tisch liegt, ist so umfassend und komplex geraten, dass sich nicht nur Privatanleger damit schwertun. So sollen sie sich bei der nachhaltigen Kapitalanlage zwischen drei Optionen – der Berücksichtigung von Vorgaben der EU-Taxonomie, der Principle Adverse Impacts (PAI) oder der Offenlegungsverordnung – entscheiden, die selbst für Anlageprofis kaum verständlich sind.

Problematisch ist auch, dass der Regulator Quantität mit Qualität gleichsetzt und umfassende Vorgaben für zu erhebende und zu kommunizierende Daten macht. Transparenz hängt aber nicht von der Fülle der Infos ab, sondern von deren Verständlichkeit und Nützlichkeit bei der konkreten Entscheidung für eine Anlage.

Daher meine Bitte: Jetzt einmal innehalten und durchatmen, den Kopf aus den Verordnungen und Gesetzestexten heben und überprüfen, ob die Richtung noch stimmt und die Vorgaben so gestaltet werden, dass sie nicht nur gut gemeint, sondern auch so gut gemacht sind, dass wir das anvisierte Ziel erreichen können – die Finanzierung der Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Autor ist Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltige Kapitalanlagen (NKI).

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