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Besser regional wirtschaften

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Von: Wolfgang Kessler

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Leere Regale in einem deutschen Supermarkt zeigen die Abhängigkeit deutscher Firmen und Verbraucher von anderen Teilen der Welt.
Leere Regale in einem deutschen Supermarkt zeigen die Abhängigkeit deutscher Firmen und Verbraucher von anderen Teilen der Welt. © Christoph Soeder/dpa

Spätestens die Corona-Krise hat die zerstörerischen Seiten der weltwirtschaftlichen Verflechtung offenbart. Wir brauchen weniger Globalisierung – ohne dabei in Nationalismus zurückzufallen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Zweifelsohne profitieren die deutsche Wirtschaft, viele Arbeitnehmer und die Verbraucher von der Globalisierung. Sie bringt viele Waren billig auf den deutschen Markt. Doch spätestens die Corona-Krise hat die zerstörerischen Seiten der weltwirtschaftlichen Verflechtung ans Tageslicht gebracht. Die Kluft zwischen Reich und Arm wird immer größer. Lieferengpässe zeigen die Abhängigkeit deutscher Firmen und Verbraucher von anderen Teilen der Welt.

Immer deutlicher werden die ökologischen Folgen der Globalisierung: Wenn in Asien und Lateinamerika Regenwälder abgeholzt werden, um Palmöl und Soja für eine möglichst intensive Landwirtschaft mit Massentierhaltung zu liefern, dann belastet dies Klima und Umwelt genauso wie zunehmende Transporte mit Flugzeug und Schiff.

Es braucht deshalb weniger Globalisierung – ohne in Nationalismus zurückzufallen. Gegen Lieferengpässe hilft vor allem die Förderung von Zukunftstechnologien in Deutschland und Europa, aber auch die Rückverlagerung von wichtigen Herstellungs-Prozessen in die Europäische Union. Dies eröffnet gleichzeitig Chancen, vernachlässigte Regionen in der EU zu fördern. Wichtig wären zudem Investitionen in eine größere Fertigungstiefe und in die Lagerhaltung, die durch „Just-in-time-Lieferungen“ auf die rechte Spur der Autobahnen verlagert wurde.

Und was spricht dagegen, eine regionale Wirtschaft der kürzeren Wege zu fördern? Davon würden Klima und Umwelt, aber auch jene Landwirte profitieren, die mit regionalen Rohstoffen arbeiten, statt mit Futtermitteln aus den Regenwäldern billiges Export-Fleisch zu produzieren.

Klar ist auch, dass die Handelsregeln fair und nachhaltig werden müssen: Europäische Unternehmen können nur klimaneutral und gleichzeitig konkurrenzfähig produzieren, wenn Klimadumping an den Grenzen unterbunden wird. Billigimporte, die unter geringen Klimaauflagen hergestellt wurden, müssen an den EU-Grenzen mit einem Klimazoll verteuert werden. Und gerecht wird die Weltwirtschaft erst, wenn der Handel mit Fair-Trade-Waren durch geringere Zölle und Steuern belohnt wird.

Weniger Globalisierung würde das Arbeiten und Leben hierzulande verändern. Doch mit einer Weltwirtschaft, die vor allem das Billigste fördert, ist eine gerechte und klimaverträgliche globale Entwicklung nicht zu haben.

Der Autor ist Wirtschaftspublizist.

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