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Besser qualifiziert

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Von: Verena Bentele

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Der Vermittlungsvorrang für Hartz-IV-Empfänger hat ausgedient. Das neue Bürgergeld setzt an der richtigen Stelle an.

Viel zu häufig fallen Menschen gegen Ende ihres Arbeitslebens in Hartz IV. Ein Schicksal, das uns beim VdK oft beschäftigt: ein Erwerbstätiger, Mitte 50, schwer erkrankt, Krankengeld und dann Arbeitslosengeld 1 sind ausgelaufen und die Erwerbsminderungsrente ist noch nicht bewilligt. Andere sind nach einem tragischen Ereignis oder einer Firmenpleite auf staatliche Leistungen angewiesen. Es gibt viele Wege in das System Hartz IV. Der Weg heraus ist meistens schwer.

Das Jobcenter bietet Arbeitsuchenden bislang oft standardisierte Eingliederungsvereinbarungen oder Maßnahmen von der Stange, wie das x-te Bewerbungstraining. Dadurch wird Potenzial verschenkt und wertvolle Zeit vergeudet.

Hier setzt das neue Bürgergeld an: Heils Plan sieht vor, dass Jobcenter-Mitarbeiter und Arbeitsuchende gemeinsam einen Plan für die Rückkehr in den Arbeitsmarkt schmieden. Dafür sollen sie Zeit für den richtigen Berufsabschluss bekommen, oder es gibt eine Weiterbildungsprämie für die, die lernwillig und veränderungsbereit sind. Während einer Vertrauenszeit sollen Leistungen nicht gemindert werden. Gut so: Wir wissen längst, dass motivierende Angebote erfolgreicher sind als Strafen.

Arbeitsuchende sollen nicht mehr jeden Job annehmen müssen. Damit hätte der Vermittlungsvorrang ausgedient. Sie wurden oft in befristete Jobs vermittelt und landeten dann schnell wieder in Hartz IV – ein Drehtüreffekt. Endlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit eine gute Qualifikation ist.

Ein Vorhaben unterstütze ich als Präsidentin eines Sozialverbandes, der viele Senioren vertritt, besonders: Zwangsverrentungen sollen abgeschafft werden. Bisher wurden so Ältere vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, auch wenn sie noch Chancen haben. Gleichzeitig mussten sie Abschläge auf ihre Rente hinnehmen. In einem Land, das alle Fachkräfte dringend braucht, ist die Investition in alle Arbeitsuchenden unumgänglich.

Das neue Bürgergeld bietet gute Ansätze, mehr Arbeitsuchende gezielter und nachhaltiger zu beschäftigen. Davon würden wir alle profitieren: Jeder zusätzliche Erwerbstätige, der seine Beiträge in die Rentenkasse und die gesetzliche Krankenversicherung zahlt, stärkt die Systeme, die unseren Sozialstaat ausmachen. Das sollte der Regierung ein gutes Bürgergeld wert sein.

Die Autorin ist Präsidentin des Sozialverbands VDK Deutschland.

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