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Bauen im Klimawandel: Oft schlecht geplant

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Von: Günther Moewes

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Derzeit häufen sich Waldbrände und Flutkatastrophen.
Derzeit häufen sich Waldbrände und Flutkatastrophen. © LOUISA GOULIAMAKI/AFP

Waldbrände und Flutkatastrophen häufen sich. Deshalb sollte das Bauen im Wald oder in Hochwasserzonen verboten werden. Die Gastwirtschaft.

Die jüngsten, dramatisch zunehmenden Waldbrände und Flutkatastrophen sind Folge des Klimawandels. Gilt das aber auch für die Gebäudeschäden? Das wird beharrlich nicht hinterfragt. Alle halten es heute offenbar für selbstverständlich, dass man in Südeuropa in staubtrockenen Pinienwäldern siedelt.

Das war nicht immer so. Dörfer und Siedlungen lagen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nur sehr selten im Wald. Wo Landwirtschaft betrieben wurde, waren sie von Feldern und Wiesen umgeben. Nur Bergdörfer lagen aus strategischen Gründen bisweilen im Wald, ihre Felder in der Ebene. In Südeuropa waren das keine Pinien-, sondern meist Steineichen- und Maronenwälder, die im 20. Jahrhundert von den leicht brennbaren Pinien verdrängt wurden. Die Bergdörfer waren zwar von Wald umgeben. Aber ihre Häuser waren nicht im Wald verstreut, sondern bildeten aus Verteidigungs- und Brandschutz-Gründen einen zusammenhängenden, exakt begrenzten Komplex, der dem Wald eine geschlossene Wand aus Fassaden mit kleinen Fenstern zukehrte. Im Innern wurden keine Bäume geduldet.

Welcher Unglücksrabe wies zuerst Wälder als Baugebiet aus? Wer erfand wann die romantischen „Wald-Streusiedlungen“ und „Urlaubsparadiese“, die man jetzt brennend im Fernsehen sieht? Man hatte sie ja schon bei den Waldbränden in Kalifornien sehen können. Sie sind das Ergebnis von unterlassener Planung, von vermeintlicher „Freiheit“: Jeder kann sich ein Grundstück kaufen, wo er will. Und darauf bauen, was und mit welchem Material er will.

Beflissene Theoretiker haben es dann nachträglich geadelt und das „Bauen in der Natur“ flugs als „ökologisch“ deklariert, obwohl es extrem antiökologisch ist. Auch in Überflutungsgebieten kann man ähnliche Planungsdefizite beobachten. Man baut nicht in Flussschleifen und Schwemmland.

Es geht hier nicht darum, auch noch Salz in die Wunden der unverdient Betroffenen zu streuen. Es geht darum, beim Wiederaufbau nicht noch einmal die gleichen Fehler zu machen. Markt ist die Summe von Laienmeinungen und -entscheidungen. Planung ist vorausschauendes, wissenschaftsbasiertes Durchspielen möglichst aller denkbaren künftigen Möglichkeiten, Wirkungen und Folgen. Darin ist Politik heute schlecht. Sie zieht das ständige Nachbessern vor: Klima, Übervölkerung, Verteilung, Afghanistan.

Der Autor ist emeritierter Professor für Industrialisierung und Verteilungs- und Wachstumskritiker.

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