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Die Geldmenge an ausgegebenen Euroscheinen steigt stetig.

Geldanlage

Bargeld-„Hodler“

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Wie ein Betrunkener einer Anlage-Strategie zu Ruhm verhalf.

Im Jahr 2013 saß User „Gamerkyuubi“ in angeschickertem Zustand am Computer und äußerte sich im Bitcoin-Forum zu seinem weiteren strategischen Verhalten angesichts des seinerzeit sinkenden Kurses der Kryptowährung. Er teilte mit, er sei kein sprunghafter Anleger. Er wolle seine Bitcoins behalten und abwarten. Im entsprechenden Foreneintrag auf Englisch verschrieb er sich und setzte etwas in die Welt, was man ein „Mem“ nennt. Er schrieb statt „hold“ versehentlich „hodl“. Seither ist „Hodling“ zur Paraphrase geworden für Festhalten, Horten, und zwar generell in Bezug auf jedwede Geldanlageform.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Andreas Bangemann, Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

Die Geldmenge an ausgegebenen Euroscheinen steigt stetig, ebenso die Guthabenbestände auf Girokonten bei Geschäftsbanken. Die Statistiker der Bundesbank ermittelten, dass nur zehn Prozent dieser Bestände für Zahlungen in der Wirtschaft genutzt werden. 90 Prozent werden „gehodlt“. Es ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Besitzer dieser insgesamt rund vier Billionen Euro mit ihrem Geld keine Nachfrage nach, 

Andreas Bangemann

Wenn in organischen Kreislaufsystemen Stockungen und Blockaden entstehen, gerät der Organismus durch punktuelle Unterversorgung in Lebensgefahr. Insofern hat die EZB eine hilfreiche Maßnahme ergriffen, da sie das Ungenutzte durch zusätzliches Frisches kompensiert. Dafür bringt sie das sogenannte Ankaufprogramm zum Einsatz, bei dem monatlich für 20 Milliarden Euro Staatsanleihen gegen neuemittiertes Zentralbankgeld vom Markt genommen werden. Gefährlich daran ist, dass die Zentralbank in Bezug auf die Auflösung der Horte nicht Herr des Geschehens ist. Die ins Negative tendierenden Zinsen sollten in der Theorie dabei helfen. Praktisch verlangsamen sie allenfalls das weitere Anwachsen der flüssigen Bestände und zwingen zu erneuten Geldspritzen. Die EZB löst nicht die Blockade, sondern ersetzt das Gehamsterte durch zusätzliches Geld.

Die Erkenntnis, wonach Geld fließen muss, ist älter als Rubel, Sesterzen oder Drachmen. Offenbar hapert es an Techniken und Lösungen, wie man einen steten Fluss erreichen kann. Wenn lebensgefährdende Stockungen drohen, könnte man dem Geld etwas mit auf den Weg geben, wodurch Horten unattraktiv wird. Es liegt in der Macht der Emittenten, dem Geld ein Blockadelösungsmittel zu injizieren.

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