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Aussicht auf gute Arbeit?

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Von: Anja Piel

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Tatjana Yahodka, die erste aus der Ukraine geflüchtete Lehrkraft an Hamburger Schulen, schreibt einem Klassenzimmer des Louise Weiss-Gymnasiums „Herzlich Willkommen“ auf ukrainisch an die Tafel.
Tatjana Yahodka, die erste aus der Ukraine geflüchtete Lehrkraft an Hamburger Schulen, schreibt einem Klassenzimmer des Louise Weiss-Gymnasiums „Herzlich Willkommen“ auf Ukrainisch an die Tafel. © Markus Scholz/dpa

Trotz aller Verbesserungen werden die oftmals gut ausgebildeten Ukrainer:innen auf Hürden treffen, wenn sie eine Arbeit aufnehmen wollen, die ihrer Qualifikation entspricht. Diese Hürden muss die Bundesregierung abbauen. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Millionen Menschen haben sich vor den Schrecken des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine in Sicherheit gebracht. Sie fliehen vor Tod, Gewalt und Zerstörung und brauchen unsere Solidarität. Großer Respekt gilt den zahlreichen Unterstützer:innen, die seit Beginn des Krieges bei der Aufnahme, Versorgung und Unterbringung der Geflüchteten helfen. Die Länder, die Geflüchtete aufnehmen, müssen den Menschen ein gutes Ankommen ermöglichen – im Alltag, in Kindergärten, Schulen und in Arbeit.

Der Rat der EU hat in einer historischen Entscheidung am 4. März den Weg frei gemacht: Menschen aus der Ukraine erhalten in Ländern der EU unkompliziert ohne individuelles Asylverfahren eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Natürlich stehen Unterbringung und gute Versorgung der Geflüchteten im Vordergrund. Aber für viele gehört zum Ankommen in Deutschland auch die Aussicht auf gute Arbeit. Anders als 2015 haben Ukrainer:innen mit Aufenthaltserlaubnis Zugang zu Integrations- und Sprachkursen – zu Recht, denn Sprachkenntnisse sind Eintrittsticket in den Arbeitsmarkt. Hier muss es sehr schnell noch mehr Angebote an Vormittagen und mit Kinderbetreuung geben: Viele der Schutzsuchenden sind Mütter mit Kindern. Auch braucht es Kurse für berufsbezogenes Deutsch.

Trotz aller Verbesserungen werden die oftmals gut ausgebildeten Ukrainer:innen auf Hürden treffen, wenn sie eine Arbeit aufnehmen wollen, die ihrer Qualifikation entspricht. Solche Hürden muss die Bundesregierung abbauen. Verfahren zur Anerkennung von Abschlüssen müssen bundesweit schneller, unkomplizierter und unbürokratischer werden, auch im Falle fehlender Zeugnisse und Nachweise. Informationen und Beratung zur Berufsanerkennung müssen in ukrainischer und russischer Sprache verfügbar sein. Ukrainer:innen dürfen für Übersetzungsleistungen nicht zur Kasse gebeten werden, wenn sie mit Anerkennungsstellen kommunizieren. Aus der Vergangenheit wissen wir, wie wichtig ein unbefristeter Aufenthaltsstatus ist, damit Betriebe für Einstellung und Ausbildung Geflüchteter Planungssicherheit haben.

Hier muss die Bundesregierung nachbessern, um sicherzustellen, dass qualifizierte Ukrainer:innen nicht als Lückenbüßer in prekärer Beschäftigung landen, in der Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen vorherrschen.

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