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Der Finanzminister müsse sich nur mal mit den Fußballfreunden in Hamburg und Stuttgart unterhalten, meint unser Kolumnist.

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Augen weit geschlossen

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Finanzminister Olaf Scholz muss Schwäche der Konjunktur ernst nehmen. Die Wirtschaftskolumne.

Beim Fußball gibt es eigentlich jedes Jahr mindestens ein Team, das mit hohen Erwartungen in die neue Saison geht, im Laufe des Jahres aber an das Tabellenende durchgereicht wird – dabei aber häufig (zu) lange die sportliche Krise abstreitet, bis es dann zu spät ist. Die Liste der unerwarteten Absteiger am Ende einer Bundesligasaison ist lang. Die deutsche Wirtschaft läuft gerade Gefahr, Opfer des gleichen Symptoms der weit geschlossenen Augen zu werden.

Die aktuellen konjunkturellen Widersprüche in Europa waren letzten Donnerstag mal wieder zu bestaunen. Während EZB-Präsident Mario Draghi die Finanzmärkte auf ein neues geldpolitisches Feuerwerk im September vorbereitete, gab zeitgleich Bundesfinanzminister Olaf Scholz dem Nachrichtensender Bloomberg ein Interview, in dem er weder eine wirtschaftliche Krise noch die Notwendigkeit für Konjunkturpakete sah. Schiebt Mario Draghi nur Panik oder sieht er etwas, was Olaf Scholz nicht sieht?

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Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING in Frankfurt.

Lange sah es so aus, als ob die inländische Konjunktur stark genug ist, um die deutsche Wirtschaft vor Handelskriegen und Problemen in der Industrie zu schützen bzw. die negativen Folgen aufzufangen. Diese Sichtweise wird zunehmend problematisch. Der Abschwung in der Industrie nimmt kein Ende und aus einmaligen Faktoren wie neuen Abgasnormen oder Niedrigwasser scheint sich eine strukturelle Schwäche zu entwickeln. Hinzu kommt, dass der Arbeitsmarkt abkühlt, Unternehmen mit Gewinnwarnungen kommen, Kurzarbeit wieder eingeführt wird und der Konsum schwächelt. Ja, es sind nur erste Zeichen und absolut betrachtet liegt zum Beispiel die Kurzarbeit weit unter dem Niveau der Rezession 2009. Es wäre allerdings fatal, die aktuellen Warnsignale zu unterschätzen.

Carsten Brzeski.

Natürlich kann es immer noch ein Happy End geben, wenn sich die Handelskonflikte entspannen und deutsche Unternehmen trotz globaler Unsicherheiten die extrem günstigen Finanzierungsbedingungen nutzen und investieren. Das Prinzip Hoffnung reicht aber nicht. Bei den aktuellen Zinsständen könnte der deutsche Staat in den kommenden Jahren Haushaltsdefizite von rund 1.5 Prozent des BIP fahren und die Schuldenquote würde sich immer noch bei 60 Prozent des BIP stabilisieren. Also, investieren. Mario Draghi würde sich freuen. Vorsorge ist manchmal besser als Nachsorge. Olaf Scholz muss sich nur mal mit den Fußballfreunden in Hamburg und Stuttgart unterhalten.

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