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Auf der Reise nach innen

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Von: Boris Grundl

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Sobald Menschen den Unterschied zwischen Erfolg und Erfüllung verstehen, entsteht sogar eine viel tiefere Motivation.
„Sobald Menschen den Unterschied zwischen Erfolg und Erfüllung verstehen, entsteht sogar eine viel tiefere Motivation.“ © Annette Riedl/dpa

Sobald Menschen den Unterschied zwischen Erfolg und Erfüllung verstehen, entsteht eine viel tiefere Motivation. Die „Gastwirtschaft“.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie gibt Kraft, zieht in die Zukunft und lässt Leiden aushalten. Ihre Kehrseite? In der Hoffnung, dass alles viel besser sein könnte, hetzen viele wie Getriebene durchs Leben: „Wenn ich erst meine Beförderung habe, in Rente bin, die Welt ruhiger ist …“ Ständig quält uns die zweifelnde Verbesserungshoffnung.

Diese Prägung ist schwer abzulegen. In unserem Institut haben wir mit vielen Chefs und Mitarbeitern gesprochen. Viele befürchten, dass der Ehrgeiz für außergewöhnliche Leistungen sinkt, wenn wir das Gefühl des Getriebenseins überwinden. Nach dem Motto: Wenn Mitarbeiter nicht mehr am Nasenring gezogen werden, bleiben sie stehen. Diese Angst ist unbegründet! Sobald Menschen den Unterschied zwischen Erfolg und Erfüllung verstehen, entsteht sogar eine viel tiefere Motivation. Erfolg bedeutet, sich zu zeigen. Erfolgshungrige wollen sich beweisen, durchsetzen und dafür anerkannt werden. Wir nennen es Selbstbehauptung. Hier geht es um schnelle gute Gefühle durch Ergebnisse.

Erfüllung ist etwas ganz anderes. Sie ist die mentale Reise nach innen auf der Suche nach Sinnhaftigkeit im eigenen Leben: Wie kann ich meine Talente zu Stärken entwickeln und damit anderen dienen? Welcher Ruf kann zur Berufung werden? Echte Erfüllung hat nichts mit Erfolg zu tun. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, das Leben so zu interpretieren, dass daraus Erfüllung entsteht.

Ältere Generationen beschweren sich oft, dass der Nachwuchs keine Erfüllung in der Zukunft sucht. Jüngere legen häufig mehr Wert auf die Erfüllung im Hier und Jetzt. Beide Welten haben etwas Faszinierendes. Statt in den Konflikt zu gehen, könnten wir voneinander lernen. Alle gewinnen, wenn Menschen nach innen gehen, reflektieren, abwägen – losgelöst von einem Wunschimage oder einer Prägung der Vergangenheit. Dann haben wir die Chance, unserem wahren Selbst näherzukommen. Erst im zweiten Schritt gehen wir nach außen und zeigen durch Handlungen, wie wir unsere Erkenntnisse in Ergebnisse transformieren.

Diesen Wechsel zwischen innen und außen brauchen wir mehr denn je. Nur so bleiben wir mental gesund, können nachhaltiger denken, handeln und erreichen ein höheres Motivationsniveau. Nur so bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig und entwickeln sich Menschen weiter.

Boris Grundl ist Führungskräfteentwickler.

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