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16 Prozent der Weltbevölkerung leben in Afrika. Sie verursachen aber nur vier Prozent der globalen Treibhausgas-Ausstöße.

Erderwärmung

Armut und Klima

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Der Süden ist von den Folgen des Klimawandels am meisten betroffen. Der globale Norden trägt die Verantwortung.

Der Klimawandel verdeutlicht die grundlegend ungerechten Strukturen unserer globalisierten Welt. Denn von den Folgen der Erderhitzung sind die Regionen und Menschen am stärksten betroffen, die am wenigsten zu ihr beitragen: Regionen an den Polen und um den Äquator sowie Indigene, Kleinbauern, Frauen und Kinder sowie die zukünftigen Generationen.

Doch als wäre das nicht schon ungerecht genug, sehen viele Leute die größte Bedrohung für das Klima ausgerechnet im Bevölkerungswachstum im globalen Süden. Dieser stelle die wahre Bedrohung für das Klima dar, denn die zunehmende Zahl der Menschen werde zwangsläufig zu steigenden Treibhausgas-Ausstößen führen.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute:  Gertrud Falk, Referentin für Rechte von KleinbäuerInnen bei Fian Deutschland.

Diese Behauptung hält jedoch dem Realitätscheck nicht stand. Denn die Geburtenraten sind vor allem dort hoch, wo die Menschen arm sind und ihr CO2-Fußabdruck daher verschwindend gering ist. So führt die Lebensweise der Menschen in Afrika durchschnittlich nur zu 1,1 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr, während Europäer im Durchschnitt 7,6 Tonnen emittieren.

16 Prozent der Weltbevölkerung leben in Afrika. Sie verursachen aber nur vier Prozent der globalen Treibhausgas-Ausstöße. In Asien ist das Verhältnis 60 zu 49 Prozent. In Europa leben zehn Prozent der Weltbevölkerung, die aber 16 Prozent der Treibhausgas-Ausstöße verursachen. In Nordamerika ist das Verhältnis mit fünf zu 18 Prozent noch drastischer.

Die Statistiken geben die Treibhausgase an, die durch Produktion in den Ländern entstehen. Würden sie anhand des Konsums gemessen, fielen die Unterschiede noch gravierender aus. Denn viele der Konsumgüter und Agrarprodukte, die in Europa und Nordamerika gekauft werden, werden in Asien und Lateinamerika hergestellt.

Aber selbst wenn die hohe Geburtenrate im globalen Süden zu einer nennenswerten Erhöhung der Treibhausgase führen würde, ist aus menschenrechtlicher Sicht klar: Die Ermöglichung eines menschenwürdigen Lebens hat Vorrang vor dem Erhalt oder gar der Erhöhung eines luxuriösen Lebensstils.

Also befreit auch der Verweis auf ein prognostiziertes Bevölkerungswachstum den globalen Norden nicht aus der Verpflichtung, schnell drastische Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen.

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